Literaturempfehlung
https://uzshop.de/lieberam-100jahrefaschismusdebatte
Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit schwindet. Ein Essay,
Precht, der bekannte Honorarpressor für Philosophie und Ästhetik sowie Fernsehmoderator, nennt es Angststillstand, dass die meisten Menschen sich offenbar nicht mehr zur öffentlichen Polemik (für mich ein positiver Ausdruck) trauen, tatsachenfundiert und realistisch begründet. Die Kehrseite davon scheint zu sein, dass die Wenigerwerdenden aber immer Recht haben wollen, die 83 Millionen Fußballtrainer quasi. Preecht kann uns keine perfekt gültige Antwort geben, aber er will zum Nachdenken anregen. Ich lese für Gewöhnlich langsam. Aber dieses Mal bin ich am 3. Tag schon fast durch in diesem Buch. Und mein erstes Fazit ist, dass wir uns auch in der Linken wieder darauf besinnen müssen, intensiv, ehrlich und voranbringend die unterschiedlichen Meinungen in unseren Reihen auszutauschen und öffentlich darzustellen. Vor Jahren hieß es schon, dass wir eine pluralistische, kapitalismuskritische Partei zu sein müssen. Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob wir uns als Linke so einfach in den allgemeinen Volkssport Meckern einordnen können, ohne bedeutungslos zu werden.
Precht liest sich wie immer nicht unproblematisch, er schreibt mitunter ziemlich akademisch und stellt provokante Behauptungen auf. Das mögen vielleicht nicht alle. Oder sie führen es nicht ausreichend mit der Suche nach Differenzen und Konsens. Manch guter Freund sagt mir "Precht - den kannste alleine lesen.". Das ist aber genau so, wie wenn einer sagt, die Sächsische Zeitung wäre langweilig, und jedoch schon vor Jahren sein Abonnement abgemeldet hat.
Sein Symbol des Axolotls ist vielleicht nicht sofort und so leicht zu verstehen. Diese Art von Schwanzlurch hat sich der Umwelt dergestalt angepasst, dass er entwicklungsgeschichtlich im Larvenlevel verharrt. "Er weigert sich, so könnte man sagen, erwachsen zu werden." (S. 60 f.) Das kann man auch Neotenie nennen oder mit "in seiner Jugend stecken zu bleiben" übersetzen.
Hat jemand Lust zu einer gemeinsamen und kritischen Buchlesung bzw. -diskussion? Bitte die Kommentarfunktion nutzen für eine eventuelle Terminvereinbarung.
G. Dietmar Rode, Blogger
Eine Sammlung zur konstruktiven Polemik
In der antiken Rhetorik Athens und Roms war dieser Ausdruck Polemik deutlich anders belegt. Urspünglich galt sie als intellektuelle Herausforderung einer öffentlichen Streitkunst. Sicherlich wurde sie auch mit streitlustiger Schärfe durch Ironie, Übertreibung oder Sarkasmus geführt. Polemos kommt ja von Streit. Aber letztlich diente sie den Sophisten doch der Verständigung trotz unterschiedlicher Argumente.
Heute hat Polemik oft einen negativen Beigeschmack und meint dann oft, dass Agieren mit unsachlichen Agriffen, persönlichen Diffamierungen und begrifflichen Unklarheiten.
Rettler bringt den bei vielen verloren gegangen Mut auf, vor allem durch Klärung von Begriffen und Gegenüberstellung von Argumenten, die Polemik wieder dahin zu holen, wo sie hingehört: in eine Kultur des Streits. Er beabsichtigt damit, die abgeflachte äußere Diskussion über soziale und politische Probleme wieder in Gang zu bringen, unterschiedliche Auffassungen zu vergleichen und gemeinsame Nenner zu finden. Ein paar thematische Beispiele:
- Begriffsvertauschung und Meinungsmanipulation,
- über Ausbeutung,
- Konsequenzen aus der Mehrwerttheorie,
- über Ideologie,
- Kapitalismus oder Menschlichkeit...
Wer polemisch argumentiert, kann natürlich argumentativ überziehen. Aber selbst dann, wenn er/sie das nicht tut, werden Polemiker häufig als "Meckerer" und "unbequeme Störenfriede" abgetan.
In Rettlers Büchlein "Einsicht(en) ist das nicht der Fall, auch wenn ich hin und wieder anderer Auffassung bin. Es ist vielmehr wie ein helfender Zeigestock an der Anzeigetafel unserer widerspruchvollen Zeit.
Danke, Wilhelm
Lasst uns doch lieber diskutieren, anstatt zu intrigieren
Mein Vater war Bibliothekar. Von ihm weiß ich, dass neben dem Lesen von Büchern die Buchbesprechung eine ganz wichtige Kommunikationsform ist. Als er in den 60er Jahren während des Studiums ein Praktikum in Radebeul absolvierte und dabei eine Diskussionsveranstaltung über Karl May durchführen wollte, hatte man ihn zum Tempel hinaus gejagt. Verständlich. Als ich kürzlich mal wieder ein Buch vom Großmeister des Kolportageromans las (Trapper Geierschnabel) wurde mir wieder klar, was er da wohl für ein Publikum vor sich gehabt haben muss. Na gut - aber anderes Thema.
Hin und wieder gibt es interessante Bücher über DIE LINKE, die sich in einem kontinuierlichen Abstieg zu befinden scheint. Aber gerade kritische Bücher sollten sich doch dafür eignen, daraus zu lernen und Schlussfolgerungen abzuleiten. Also greife ich mal in meinen Bücherschrank:
Besier, Gerhard: Fünf Jahre unter Linken. Über einen Selbstversuch. Verlag am Park. Berlin, 2014Der promovierte Theologe und Historiker, geboren 1947 in Wiesbaden, war von 2099 bis 2014 wissenschaftspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im sächsischen Landtag. Das klang von Anfang an sehr widersprüchlich. Um so interessanter ist jedoch sein Rückblick auf die demokratischen Verhältnisse in Sachsen und die Zustände in der LINKEN, der noch immer up to date ist..
Lieberam, Ekkehard: Am Krankenbett der Linkspartei: Mehr Marx als Murx. pad-Verlag, Bergkamen 2019Der Professor für Staats- und Verfassungsrecht, geboren 1937 in Braunschweig, war zunächst in der SPD, übersiedelte aber 1957 in die DDR. 1964 Mitglied der SED, 1989 PDS. 2015 Mitbegründer und Nestor des Liebknecht-Kreises innerhalb der LINKEN. 8 Jahre Mitarbeiter in der Bundestagsfraktion. Wissenschaftler, Herausgeber, Autor, Kommentator
Gregor Gysi: Was Politiker nicht sagen... weil es um Mehrheiten und nicht um Wahrheiten geht. Econ Verlag, Berlin 2022
Der Anwalt, charismatische Mitbegründer und langjährige Politiker der LINKEN wurde 1948 in Berlin geboren. Er ist einer der beliebtesten und respektierten Redner im Bundestag. Um so interessanter ist sein Buch über politische Rhetorik in unseren Tagen. Am 01. Juni 2023 wird er sein Buch im Kulturbahnhof in Radebeul vorstellen und ich freue mich schon sehr darauf, es mir von ihm abzeichnen zu lassen.
Historiker, Soziologe und Politikwissenschaftler. Geboren 1984 in Löbau. Freier Autor, Podcaster, Museumsgestalter und Blogger (www.imosten.org). Ich bin ihm im April auf der Buchmesse in Leipzig begegnet und kann mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen, obwohl er 2022 aus der LINKEN ausgetreten ist. Seine Darstellung der Partei ist aktueller denn je.
Bücher - Medien der Debatte
Nach 3 jähriger Pause konnte ich endlich wieder Gast dieses großartigen Medienevents sein. 274.000 Gäste kamen, um die Präsentationen von 2.082 Ausstellern aus 40 Ländern zu erleben. Ich wollte nicht zuletzt mit Dr. Sven Brajer zusammen treffen, dessen Buch "Die (Selbst)Zerstörung der deutschen Linken" erst im März auf den Markt gekommen ist (Promedia Verlag Wien: www.mediashop.at/www.verlag-promedia.de) und das ich mit großem Interesse gelesen habe. Mehr als 120 Besucher folgten der Präsentation des Historikers, der 1982 in Löbau geboren wurde und als freier Autor und Journalist tätig ist. Er trat 2019 aus der Partei DIE LINKE aus. Sein Blog: www.imosten.org.
| Dr. Sven Brajer |
Leider war die geplante Zeit viel zu kurz, um sich ausführlich an Ort und Stelle mit dem Autor auszutauschen. Das Interesse an ihm und seinem Thema war offenkundig. Natürlich konnte auch er die Frage nicht beantworten, wie es denn mit der krisengeschwächten LINKEN weiter gehen könnte. Stellt sie sich noch der Systemfrage? Warum sind ihr mittlerweile so viele Mitglieder und Wähler verloren gegangen? Finden die Fragenden im linken Spektrum in dieser widersprüchlichen Zeit Antworten in und durch die Partei? Welche Rolle könnte Sahra Wagenknecht fürderhin spielen?
Meine Frage "Kannst Du der LINKEN noch Hoffnung machen?" blieb natürlich offen...
| mit seinem Verlagsleiter Dr. Hannes Hofbauer |
Bestellung, auch als E-Book, möglich: https://mediashop.at/buecher/die-selbstzerstoerung-der-deutschen-linken/
Fotos: Rode
Anmerkung: Für Diskussionen zum Thema in den Ortsorganisationen stehe ich gern zur Verfügung.
G. Dietmar Rode, Blogger
Nachtrag am 02. Mai 2023: Leipziger Buchmesse 2023: Statt Dialog verbaler Feldzug gegen Russland https://www.nachdenkseiten.de/?p=97099
Die (Selbst)Zerstörung der deutschen Linken.
Von der Kapitalismuskritik zum woken Establishment
Sven Brajer arbeitet als Autor, publiziert über Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, insbesondere in Hinblick auf Parteien und Bewegungen und betreibt u.a. den Blog www.imosten.org.
Gestern erst gekauft und heute schon fast durchgelesen: Rhetorik zwischen Lachen und Weinen
Einige Kapitel:vgl. auch Post vom 14.04.2021
![]() |
| http://www.dielinke-leipzig.de/ |
„Reichsbürger“, das sind drollige Online-Spinner, die sich gegenseitig Pässe ausstellen, lautet eine gängige Einschätzung. Doch wer so denkt, verharmlost damit ein Milieu, das sich nach außen abschottet und nach innen radikalisiert.Dieses Buch kann kostenlos bestellt werden bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung: https://shop.slpb.de/
![]() |
"Von außen gesehen gibt es speziell für Christentum und Kirche aber doch ein anderes Problem: Fake News! Wer immer wieder verfolgt, welchen Unsinn in einem sechsmonatigen Bundestagswahlkampf die eine Partei über die andere erzählt, welche absichtlichen Verzerrungen der jeweils anderen Position sozusagen zur Grundausstattung eines anständigen Wahlkampfs gehören, der muss sich vor Augen halten, dass die Kirche mehr oder weniger zweitausend Jahre lang sozusagen im Wahlkampf steht." (S. 19)Lütz schrieb: "Religion assoziiert man mit Gewalt, Intoleranz und Unvernunft." Päpstliche Machtkämpfe, Ketzerverfolgungen, militante Missionarisierungen und Kreuzzüge, Reformation und Gegenreformation und viele weitere Beispiele. Aber er bezog sich auch auf Gregor Gysi, der erklärte, "er sei Atheist, aber er habe Angst vor einer gottlosen Gesellschaft, weil die Solidarität abhanden kommen könne, Sozialismus sei schließlich nichts anderes, als säkularisiertes Christentum... Und wenn Atheismus bedeute, gegen die Kirche zu sein, dann sei er kein Atheist, dann sei er Heide, zu dem der Glaube noch nicht gekommen sei." (S. 12)
| Kirche | 2016 | 2015 | 2005 | 2000 | 1995 |
|---|---|---|---|---|---|
| Evangelische Kirchenglieder | 757 338 | 771 784 | 912 796 | 1 026 975 | 1 168 392 |
| Anteil an der Bevölkerung in % | ... | 18,9 | 21,4 | 23,2 | 25,6 |
| Katholische Kirchenglieder | 152 368 | 151 100 | 155 568 | 192 587 | 189 449 |
| Anteil an der Bevölkerung in % | ... | 3,7 | 3,6 | 4,4 | 4,1 |


Politfrühschoppen
Einladung von
Marion Junge, MdL
Am Sonntag haben wir den Schriftsteller Alexander Cern zu Gast beim Politfrühschoppen in Kamenz. Er wird aus seinem Buch “ Ich heiße Europa“ lesen und anschließend Fragen zum Thema beantworten. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei. Weitere Infos unter http://politfruehschoppen.de Auch hier anklicken. | ||
Festschrift: 25 Jahre Linksfraktion im Sächsischen Landtag
Bitte hier anklicken.![]() |
| Literaturempfehlung: Bitte hieranklicken |
"Erst am Donnerstag habe ich im Landtag davon gesprochen, dass die Schamlosigkeit der neuen Staatspartei Sachsen-CDU grenzenlos ist. Die klammheimliche Subventionierung der Biedenkopf-Tagebücher bestätigt mich in dieser Auffassung. Biedenkopf ist der Hauptkonstrukteur des Sachsen-Mythos, eines Grundpfeilers der CDU-Herrschaft. Dafür will man ihn offenbar entlohnen, auf Kosten der Allgemeinheit. Die von der Staatskanzlei vorgebrachte Rechtfertigung, man wolle „aus staatspolitischem Interesse“ eine „bedeutsame Quelle“ erschließen, legitimiert ein solches Vorgehen nicht. Es ist insbesondere erklärungsbedürftig, weshalb die Adenauer-Stiftung, immerhin die zweit-finanzstärkste unter den politischen Stiftungen, die notwendigen Mittel nicht selbst aufbringen wollte. Dieser Vorgang riecht nach parteipolitischer Korruption. Wir werden Aufklärung verlangen. So viel steht allerdings bereits fest: Die Tatsache, dass Biedenkopf diese Zweckentfremdung von Steuergeld nicht verschämt zurückgewiesen, sondern dankend mitgetragen hat, kratzt am Nimbus des ehrenhaften und kultivierten „Elder Statesman“."