Orientierung

Samstag, 31. März 2018

Lesetipp

Zu Ostern

Saisonale Festtage sind nicht nur dazu da, Lieder wie "Oh Tannenbaum" zu singen oder Gedichte wie "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche" zu zitieren. Manche Leute gehen auch mal wieder in die Kirche oder in einen guten Esstempel. Nicht zuletzt treffen wir uns auch wieder einmal im Familien- oder Freundeskreis und machen uns kleine Geschenke.

Dieses Jahr bekam ich zu Ostern wieder ein Buch von meinem Sohn; mit dem Hinweis, dass er es anschließen auch gerne mal lesen würde: Manfred Lütz: Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums. Verlag Herder GmbH, Freiburg i.B. 2018. In eine evangelisch und atheistisch geprägte Familie passt das nach dem Luther-Jahr sicherlich ganz gut. Ab und zu sollte man mal checken, wo man so hingehört, und ob es noch passt. Lütz schreibt in der Einleitung: "Menschen ohne Geschichte sind schwer gestört, denn sie wissen nicht, wer sie sind." Diesen Eindruck habe ich bei vielen Abendlandrettern und sogar Christdemokraten allerdings schon lange. Mein Vater hatte mir weiland nicht gestattet, in die übliche Christenlehre zu gehen. Deshalb habe ich mich immer autodidaktisch an die Religion herangearbeitet wie es so kam: Immer mal wieder dilettantisches Bibelstudium, Pfaffenspiegel (Corvin),Der Name der Rose (Ego), Luthers Rhetorik des Herzens usw. Bei manchem Werk musste ich mich geschlagen geben: dem Buch Mormon, dem Koran... Kürzlich las ich mit großem Genuss von Hubert Schleichert "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zu subversiven Denken." 

Und so schwarte ich mich auch Stück für Stück in dieses sehr gegenwartsbezogene Geschichtsbuch hinein:
"Von außen gesehen gibt es speziell für Christentum und Kirche aber doch ein anderes Problem: Fake News! Wer immer wieder verfolgt, welchen Unsinn in einem sechsmonatigen Bundestagswahlkampf die eine Partei über die andere erzählt, welche absichtlichen Verzerrungen der jeweils anderen Position sozusagen zur Grundausstattung eines anständigen Wahlkampfs gehören, der muss sich vor Augen halten, dass die Kirche mehr oder weniger zweitausend Jahre lang sozusagen im Wahlkampf steht." (S. 19)
Lütz schrieb: "Religion assoziiert man mit Gewalt, Intoleranz und Unvernunft." Päpstliche Machtkämpfe, Ketzerverfolgungen, militante Missionarisierungen und Kreuzzüge, Reformation und Gegenreformation und viele weitere Beispiele. Aber er bezog sich auch auf Gregor Gysi, der erklärte, "er sei Atheist, aber er habe Angst vor einer gottlosen Gesellschaft, weil die Solidarität abhanden kommen könne, Sozialismus sei schließlich nichts anderes, als säkularisiertes Christentum... Und wenn Atheismus bedeute, gegen die Kirche zu sein, dann sei er kein Atheist, dann sei er Heide, zu dem der Glaube noch nicht gekommen sei." (S. 12)

Mit dem staatlich verordneten Atheismus ist das ohnehin so eine Sache. "Die drei Diktatoren Josef Stalin, Adolf Hitler und Mao Tse-tung haben mir ihren atheistischen Ideologien zusammen etwa 165 Millionen Menschen ums Leben gebracht. Vor zweitausend Jahren wäre das die gesamte Menschheit gewesen. Dennoch, die Religionskepsis bleibt." (S. 21)

Ich bin noch ziemlich am Anfang des vielversprechenden Buches, liebe Leser. Aber vielleicht folgt mir jemand oder ist schon weiter als ich. Und so wäre ich dankbar für weitere Diskussionsbeiträge. In unseren Tagen gibt es so viel Bedarf dafür.

G. Dietmar Rode
Blogger


Apropos:


Kirchenglieder der Evangelischen und Katholischen Kirche in Sachsen jeweils am 31. Dezember
 

Kirche20162015200520001995
Evangelische
Kirchenglieder
757 338771 784912 7961 026 9751 168 392
Anteil an der Bevölkerung in %...18,921,423,225,6
Katholische
Kirchenglieder
152 368151 100155 568192 587189 449
Anteil an der Bevölkerung in %...3,73,64,44,1

(© Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Kamenz, September 2017 - Auszugsweise Vervielfältigung und Verbreitung mit Quellenangabe gestattet)

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