das Ergebnis der gestrigen Wahl in Sachsen-Anhalt hat uns alle getroffen. Viele von uns sind geschockt und haben Angst – nicht zuletzt, weil es nicht nur so schlimm gekommen ist wie befürchtet, sondern noch schlimmer. Erstmals seit 1945 könnte eine rechtsextreme Regierung in einem Bundesland die Macht übernehmen: ein historischer Bruch für unsere Demokratie, die es jetzt mit aller Kraft zu verteidigen gilt.
Im Folgenden teilen wir erste Einschätzungen – wohlwissend, dass viele Fragen noch offen sind und weitere Analysen in den kommenden Tagen für mehr Klarheit sorgen werden.
Die AfD verfolgte zwei zentrale Ziele: Sie wollte die Machtfrage stellen und die politische Landschaft grundlegend verschieben. Beides ist ihr gelungen. Auch die in ihrem Strategiepapier angelegte Spaltung der CDU erscheint nun möglich.
Die AfD mobilisierte zahlreiche Nichtwähler*innen – in einem extrem zugespitzten Wahlkampf gegen die Bundesregierung und ein „Weiter so“. Die hohe Wahlbeteiligung hat uns deshalb nicht geholfen, sondern der AfD genutzt.
Das Versagen der CDU und der neoliberale Kurs der Bundesregierung haben entgegen Merz’ Ansage nicht die AfD halbiert, sondern letztlich die CDU selbst. Zugleich ist das BSW mit seiner Kampfansage an die Brandmauer in den Landtag eingezogen und wird damit zur möglichen Königsmacherin einer rechten Regierung.
Auch SPD und Grüne konnten zulegen, die Grünen besonders deutlich – vermutlich infolge taktischen Wählens. Das zeigt, wie volatil die Wähler*innenschaft derzeit ist. Viele Menschen stimmen im Zweifel für den Erhalt der Demokratie. Es ist aber keineswegs ausgemacht, dass diese Stimmen bei uns landen.
Unser Ergebnis von rund acht Prozent ist ein Verlust. Die gewonnenen Direktmandate sind ein wichtiger Erfolg, führen aber zugleich zu erheblichen Veränderungen in der Fraktion. Was daraus für unser Handeln folgt, wird sich in den kommenden Tagen sortieren.
Die Folgen dieser Wahl werden für die Menschen in Sachsen-Anhalt unmittelbar spürbar sein. Das Programm der AfD ist eine Absage an Vielfalt, Demokratie und soziale Sicherheit. Soziale Rechte, der Schutz queerer Vereine und migrantischer Menschen, Arbeitsplätze und Bildungsangebote stehen unter Druck. Der Gedanke an einen AfD-Innenminister ist ein politischer Albtraum. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk und demokratische Strukturen sind bedroht.
Die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP wurde von Ministerpräsident Sven Schulze angeführt, der sein Direktmandat verloren hat. Der neue Landtag muss spätestens am 6. Oktober zusammentreten. Ein Termin für die Wahl des neuen Ministerpräsidenten steht bislang nicht fest. Bis zur Bildung einer neuen Regierung bleiben Ministerpräsident und Minister*innen geschäftsführend im Amt.
Diese Wahl hat nicht nur Folgen für Sachsen-Anhalt. Der Sieg der AfD ist ein Auftrag an uns alle: Widerstand zu organisieren, Mut zu machen und den Menschen, die diesen Kurs nicht wählen, ein Schutzraum zu sein. Auch wir in Sachsen müssen uns mit solchen Szenarien auseinandersetzen.
Wir danken der Spitzenkandidatin Eva von Angern, den Genoss*innen im Landesverband Sachsen-Anhalt und euch allen, die mit Mut und Kraft einen kämpferischen Wahlkampf auf die Beine gestellt haben.
Wir überlassen unser Land nicht der AfD.
Detaillierte Ergebnisse findet ihr hier: https://wahlergebnisse.sachsen-anhalt.de/wahlen/lt26/
Weitere Papiere mit ersten Auswertungen: https://owncloud.wahlfabrik.de/index.php/s/ftfAiUI5n1gJgUc
Der geschäftsführende Landesvorstand hat sich heute Morgen beraten und wird für Mittwoch, den 9. September ab 19 Uhr zu einer großen digitalen Mitgliederrunde einladen. Dort wollen wir gemeinsam über das Ergebnis, die politischen Konsequenzen und unsere nächsten Schritte diskutieren. Komm dazu – niemals alleine, immer gemeinsam!
Außerdem bewerben wir weiterhin die beiden Veranstaltungen unter dem Titel „Zeit zum Handeln“:
Sonnabend, 12 Uhr: Marktplatz Leipzig
Sonntag, 13 Uhr: Theaterplatz Dresden
Solidarische Grüße und Alerta
Anja & Marco
Landesvorsitzende Die Linke Sachsen
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