Orientierung

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Samstag, 13. August 2022

Keiner hat die Absicht, eine Mauer aufzubauen.

Ein Freud´scher Fehler Ulbrichts

Wer hätte es genauer wissen müssen als er? Lapsus linguae limes? Über Nacht waren die Mengen an Steinen und Stacheldraht für den "Antifaschistischen Schutzwall" natürlich nicht herbeizuschaffen. Das war lange geplant. Hätte es Alternativen gegeben zur fortgesetzten Demontage des ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden? Welch kühner Traum ... welch harte Realitäten? Müssen wir uns heute dafür schämen - hüben und drüben? Wie haben die Bauarbeiter und Grenzsoldaten damals darüber gedacht? Wären Verhandlungen zum gegenseitigen Vorteil und unterhalb der Großmächte möglich und erfolgreich gewesen?

Politische und militärische Mauern werden heute noch gebaut bzw. erhalten. Einige Beispiele:

- zwischen USA und Mexiko (Tortilla Curtain, z.Z. 3100 km),
- zwischen Spanien und Marokko (Melilla und Ceuta),
- auf dem Balkan (Griechenland, Mazedonien, Ungarn, Slowenien, Österreich),
- zwischen Indien und Pakistan (Line Control - 550 bzw. 4.000 km),
- israelisches Westjordanland (Separation Wall, 759 km geplant),
- zwischen Türkei und Syrien (Great Wall, 900 km geplant) usw.

Natürlich sind die Ursachen vielfältig und die Probleme schwer zu vergleichen. Aber deutlich wird, dass solche Mauern, wie hoch und gefährlich auch immer, die Konflikte nicht lösen können. Und das sollte auch eine historische Lehre des 13. August 1961 sein. Auch angesichts des Krieges in der Ukraine!!!

Sonntag, 12. Mai 2019

Wahlplakaterie

Zwischen Meinungsfreiheit und mieser Provokation

Jedes Jahr der gleiche Blätterwald, meint mancher, und glaubt, es interessiert keinen wirklich. Meinungsfreiheit und schafft auch Blablabla. Und doch sollte man genauer hinschauen. Nicht alles ist normal. So gibt es inzwischen in Dresden (durch die SPD) eine Strafanzeige gegen die rechtsextreme NPD wegen Volksverhetzung durch ihre Wahlwerbung, insbesondere gegen die Losung "Migration tötet". Auch in unserem Landkreis finden sich nicht wenige davon. In anderen Bundesländern gibt es inzwischen das Eingreifen durch die Polizei dagegen. 

Einen erbosten Leserbrief druckte die Sächsische Zeitung gestern zum AfD-Plakat "Neue Deutsche machen  wir selber". Eine radebeuler Bürgerin schrieb: ""Was ist das für eine Partei, die in so schamloser und würdeloser Weise über Schwangerschaft und Geburt spricht? Was ist das für eine Partei, bei der Frauen, zumal schwangere, den Wert eines Objektes haben?" Recht hat sie. Es fehlt nur noch das Versprechen eines Mutterkreuzes wie im Dritten Reich. 

Übrigens: Als ich dieses Plakat in Alt-Kötzschenbroda fotografierte, kam eine Frau auf mich zu, und meinte, dass ihr dieses ganz besonders gut gefiele. Ich antwortete ihr, dass meine Großmutter drei ihrer "deutschen Jungs" im Krieg verlor, und zu den 14 Millionen gehörte, die aus ihrer "deutsche Heimat" (in dem Falle Breslau) "umgesiedelt" wurden. Wo ist der Unterschied zu den jetzigen Kriegsflüchtlingen? Wir müssten doch aus Geschichte gelernt haben!

G. Dietmar Rode
Blogger

Sonntag, 24. Juni 2018

Aus der Geschichte lernen

Überfall auf die Sowjetunion vor 77 Jahren

Es ist nahezu paradox, dass die offiziellen Medien diese Geschichtsereignis wieder einmal kaum beachtet haben. In meiner Sächsischen Zeitung zumindest habe ich an diesem Tage nichts darüber gelesen.

"Wenn Barbarossa beginnt, wird die Welt den Atem anhalten." prophezeite Hitler. Am 22. Juni 1941 nahm der Zweite Weltkrieg mit dem Angriff auf die Sowjetunion eine neue Dimension an. In drei Heeresgruppen überschritt die Invasionsstreitmacht mit drei Millionen deutschen Soldaten sowie weiteren 600.000 Soldaten aus Italien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei, mit 3350 Panzern, 7300 Geschützen[ und 3000 Flugzeugen die sowjetische Grenze, und stieß blitzkriegsartig tief in das Hinterland vor. Bereits am 24. Juni 1941 waren Panzer der Heeresgruppe Mitte 200 km weit vorgedrungen. In den ersten drei Wochen wurden in den westlichen Militärbezirken der Sowjetunion 90 Prozent der Flugzeuge und Panzer zerstört. In großen Kesselschlachten fielen bereits in den ersten Kriegsmonaten hunderttausende Sowjetsoldaten oder gingen in die Kriegsgefangenschaft. Im September begann die 900tägige Blockade von Leningrad. Und erst Ende 1941 konnte die Sowjetmacht mit der Schlacht vor Moskau, der Ende 1942 die Schlacht an der Wolga bei Stalingrad folgte, die strategische Initiative zunehmend zurückgewinnen. 

Im Verlaufe des Krieges wurden etwa 1.700 sowjetische Städte und 70.000 Dörfer zerstört. Über die Menschenopfer der Sowjetunion gibt es unterschiedliche Schätzungen. Es wird von weit über 27 Millionen Toten ausgegangen, davon über 11 Millionen Soldaten in den Schlachten und in der Kriegsgefangenschaft sowie weit über 15 Millionen aus der zivilen Bevölkerung. Damit ertrug die Sowjetunion den Hauptlast der Opfer des Zweiten Weltkrieges von über 50 Millionen. Und vergessen wir nicht, dass auch das deutsche Volk den Wahnsinn des Nationalsozialismus mit über 6 Millionen Soldaten und Zivilisten bezahlen musste, und über 14 Millionen Menschen in der Folge aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Meine Großeltern, die 1945 Schlesien (Breslau) verlassen mussten, haben drei Söhne in diesem Krieg verloren.

Als ich am 16. Juni aus dem Urlaub im Süden zurückkehrte, kamen mir auf der Autobahn manöverschmutzige amerikanische Panzer- und Artilleriefahrzeuge entgegen. Möglicherweise waren sie an Übungs- und Demonstrationshandlungen zur Verteidigung der europäischen Ostgrenzen beteiligt. Pfui, Teufel! Haben unsere Regierung tatsächlich nichts aus der Geschichte gelernt?

Seit Sonntag läuft in Litauen die NATO-Übung "Iron Sword". Beteiligt sind insgesamt 4.000 Soldaten aus elf Ländern. Darunter aus den baltischen Staaten, Polen, Großbritannien, den USA und Deutschland.

Bitte auch hier anklicken: https://www.mdr.de/heute-im-osten/truppenuebung-100.html

G. Dietmar Rode
Blogger

Mittwoch, 8. Februar 2017

Denkt mal nach!!

Kunst im öffentlichen Raum gegen Stumpfsinnigkeit

Spätestens seit dem Verhüllten (Wrapped) Reichstag des Künstlerehepaars Christo und Jean-Claude (1995) wissen wir, welch enormes gesellschaftspolitisches Potential ein so spektakuläres Projekt in sich tragen kann. Die Demut vor historisch wichtigen Gebäuden steht im bewussten Widerspruch zu aktuellen Problemen, über die wir gemeinsam nachdenken müssen.

Und das war auch die Absicht des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni. Aber der Wille, zum Schutz des Friedens in Aleppo aufzurufen, schlug bei einigen Hundert Dresdnern (?) in das Gegenteil um - in Hass. Warum? Und wieso maßen die es sich an, die Mehrheit der anderen zu diesem Hass hinreißen zu wollen?


Als ich heute den Neumarkt aufsuchte, war es kühl und trüb. Zudem herrschte eine ausgesprochen sachliche Atmosphäre. Nicht wenige Menschen gingen nachdenklich und verhalten auf und ab, fotografierten die aufrechtstehenden Busruinen und lasen die Notizen, die auf ihren Unterseiten angebracht waren. Keine lauten Töne. Keine Hetzlosungen. Es scheint ein Denkprozess einzusetzen über die Ereignisse dort in Syrien, die Erinnerungen an das vor 72 Jahren zerstörte Dresden und über diesen neuen Hass, der jegliche Vernunft ausschalten soll.

Vielen Dank, lieber Manaf Halbouni, für Ihren Mut! 
Vielen Dank, Herr Oberbürgermeister Dirk Hilbert, für Ihre vorbildliche Standhaftigkeit! 

G. Dietmar Rode
Blogger

Fotos: Rode

Freitag, 28. Oktober 2016

Podiumsdiskussion

Kulturbahnhof Radebeul-Ost
Nach einem Eklat im Radebeuler Stadtrat wollen DIE LINKE und VVN/BdA gemeinsam über ein zeitbezogenes Geschichtsbild nachdenken

Die Würdigung des 80. Jahrestages der Gründung der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg war Anlass für eine kontroverse Diskussion im Stadtrat von Radebeul. Die widersprüchlichen Äußerungen von Vertretern der CDU, FDP und Bürgerforum/Grüne sorgten für heftige Stimmungen in der Öffentlichkeit. Nun wollen die Fraktion DIE LINKE.Radebeul und der VVN/BdA gemeinsam nachdenken, wie die Diskussion konstruktiv weitergehen kann. Aktuelle Anknüpfungspunkte gibt es zur Genüge.

Es wird vorgeschlagen, am Freitag, dem 11. November 2016 – 18:00 Uhr im Kulturbahnhof Radebeul-Ost eine Podiumsdiskussion durchzuführen.

Bitte auch hier anklicken.

Montag, 10. Oktober 2016

Über Geschichte nachdenken

Am 7. Oktober wäre die DDR 67 geworden, wenn nicht ...

In den öffentlichen Medien wurde diesem Tag wesentlich weniger Aufmerksamkeit gewidmet, als dem 3. Oktober, dem Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Und doch sollten wir ihn nicht ganz vergessen, um aus der Geschichte zu lernen. Geschichtliche Abläufe können sich in ähnlicher Weise wiederholen, und sind doch nicht gleich. Ein Beispiel:

Im Jahr 1867, nachdem sich Preußen die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein einverleibt hatte, schrieb der deutsche Dichter und Humanist Theodor Storm:
"Wir können nicht verkennen, dass wir unter Gewalt leben. Dies ist um so einschneidender, als sie von jenen kommt, die wir gegen die Gewalt zu Hilfe riefen und die uns jetzt, nachdem sie jenige zu bewältigen halfen, wie einen besiegten Stamm behandeln: Indem sie wichtige Einrichtungen, ohne uns zu fragen, über den Haufen werfen. Obenan steht ihr schlechtes Gesetzbuch, worin eine Reihe von Paragraphen ehrlichen Leuten gefährlicher sind als den Spitzbuben, die sie angeblich treffen sollen. Obwohl das Land sowohl wegen der Art, wie es das neue Gebiet gewonnen, als auch weil wir zum geistigen Leben der Nation ein großes Kontingent gestellt haben - alle Ursachen zu bescheidenem Auftreten bei uns hat, kommt doch jeder Kerl von dort mit der Miene des kleinen persönlichen Eroberers und als müsse er erst die höhere Weisheit bringen. Unglaublich ist die Rohheit dieser Leute. Auf diese Weise einigt man Deutschland nicht."
Nun bestanden damals andere historische Zusammenhänge und gesellschaftliche Erfordernisse. Aber lustig liest es sich heute trotzdem.

Donnerstag, 8. September 2016

Erinnerung an Salvador Allende – einen aufrechten Humanisten

Aktuelle Geschichte

Liebe Radebeulerinnen, liebe Radebeuler,

am 13. September 1973 wurde in Chile der demokratische gewählte Präsident Salvador Allende und die Regierung Unidad Popular durch den Militärputsch Pinochets und seiner Helfer aus dem In- und Ausland  gestürzt. Im ehrenden Gedenken an Salvador Allende und an die Unidad Popular möchten wir gemeinsam ein Bekenntnis für Frieden, gegen Gewalt und Rassismus ablegen. Die Gedenkveranstaltung findet am

Sonnabend, dem 10. September 2016 – 10:00 Uhr

an der Stele für Salvador Allende auf dem Hörnigplatz statt.

Die Möglichkeit zum Niederlegen von Blumen und Gebinden ist gegeben.

Roland Hering                                                                 Bert Wendsche
für die Bürgerschaft                                                        Oberbürgermeister

Freitag, 6. Mai 2016

Erinnerung mahnt uns zu Frieden und menschlichem Miteinander

Rico Gebhardt zum 8. Mai


Anlässlich des 71. Jahrestags der Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Deutschland am 8. Mai erklärt Rico Gebhardt, Landes- und Fraktionsvorsitzender der sächsischen LINKEN:  
„Am 8. Mai jährt sich zum 71. Mal der Tag der Befreiung Europas vom Faschismus. An diesem Tag endete 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches der 2. Weltkrieg, ein Krieg der unter Verantwortung Deutschlands  60 Millionen Todesopfer forderte. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden vernichtet. Mehr als sechs Millionen europäische Juden, Tausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, politisch Andersdenkende und Homosexuelle wurden in der Zeit der NS-Herrschaft gezielt und systematisch verfolgt und getötet. Millionen verloren im Kampf gegen Faschismus und Unterdrückung ihr Leben. 
Deutsche Soldaten bei Abgabe
der Waffen/ Bundesarchiv,
Bild 183-W0422-004 / CC-BY-SA 3.0
Am 8. Mai  erinnern wir deshalb nicht nur an das Ende des 2. Weltkrieges und damit der NS-Herrschaft. Wir gedenken ebenso jenen Millionen Menschen, die Opfer faschistischer Gewalt und des Krieges wurden. Was Europa und die Welt  heute feiert ist das Ende eines grausamen Krieges, einer totalitären Ideologie und einer ausbeuterischen Gewaltherrschaft.
Die Erinnerung an diesen Krieg mahnt uns zu Frieden und menschlichem Miteinander. Doch heute sind wir von einem friedlichen Deutschland weit entfernt: Derzeit sind 3.411 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr an 16 Auslandseinsätzen beteiligt. Die Bundesrepublik ist mittlerweile drittgrößter Waffenexporteur der Welt. Dass Deutschland heute wieder an Krieg und Leid mitverdient, ist eine Schande. 
‚Nicht der Krieg ist revolutionär, der Friede ist revolutionär‘, sagte einst der französische Historiker und Sozialist Jean Jaurès. Gerade deshalb und mehr denn je stehen für mich und für meine Partei stets konsequente Friedenspolitik, Bekämpfung von Fluchtursachen und eine gerecht organisierte Weltwirtschaftsordnung über dem Krieg. Krieg kann für uns nie Mittel der Politik,  profitables Geschäft oder gar Instrument der Vertretung wirtschaftlicher Interessen wie beispielsweise zur Rohstoffsicherung sein.
Doch auch die unheilvolle Wiederkehr von menschenfeindlichem, NS-verherrlichendem und inhumanem Gedankengut in dieser Gesellschaft muss uns an diesem Tag Gewahr sein. Umso mehr muss für jede Demokratin, für jeden Demokraten angesichts dieser bedrohlichen Entwicklungen die Notwendigkeit des Engagements gegen rechte Propaganda und Gewalt Pflicht sein. Wir müssen gemeinsam die Werte der Aufklärung: Vernunft, Solidarität, Frieden und Demokratie unterstreichen. Das ist, was die Erinnerung an den 8. Mai von uns fordert.“

Anmerkung:

An mehreren Orten im Landkreis Meißen beteiligt sich DIE LINKE an Gedenkveranstaltungen. So lädt u.a. der Ortsverband Radebeul zum 07. Mai 2016 für 10:00 zur Gedenktafel am Schloss Wackerbarth ein. Weiterhin ruft die Stadtratsfraktion DIE LINKE.Radebeul für den 14. Mai 2016 auf, 10:00 zur Gedenktafel in Radebeul -Friedewald zu kommen.

Sollte es weitere solche Anlässe geben, können auch diese hier veröffentlicht werden: Bitte hier anklicken.

Samstag, 2. Januar 2016

Theorie und Praxis - Ist Lenin´s Publikation auch nach 100 Jahren noch aktuell?

Junge Welt, 02./03. Januar 2016, S. 16
Bitte Bild anklicken, um besser lesen zu können.
"Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" - eine kommentierte Neuausgabe erscheint

Als Lenin 1916 dieses Schrift veröffentlichte, befanden sich Europa und die Welt in einem bisher nie erlebten Krieg - dem ersten Weltkrieg. In der Emigration befasste sich Lenin wissenschaftlich mit den aktuellen gesellschaftspoltischen Bedingungen. Seitdem sind 100 Jahre vergangen. Der zweite Weltkrieg übertraf die Katastrophen von 1914 - 1918 noch erheblich. Spätestens daraus hätte die Menschheit lernen müssen. Wir befinden uns jedoch wiederum in einer Zeit, in der ignoriert wird, dass Kriege nicht die Fortsetzung, sondern das Ende jeder vernünftigen Poltik sind. Und das trifft seit dem Atomzeitalter mehr denn je zu.

Die Historiker Wladislaw Hedeler und Volker Külow haben eine umfangreiche Forschungsarbeit zur Entstehung der Schrift und ihrer Editionsgeschichte geleistet. Die aktuellen Bezüge dürften spannend sein. Das Buch soll zur Buchmesse Leipzig (17. bis 20. März) vorliegen.

Vgl. auch http://liebknecht-kreis.blogspot.de/, wo demnächst zur Diskussion aufgerufen wird.