Orientierung

Donnerstag, 12. April 2012

Wie nun weiter mit Sachsens Schulen?



Kommunen und Freistaat stehen im Widerspruch

meint Kreisrat Dr. G. Dietmar Rode

Lehrer Lämpels Ende?
Grafik aus: Wilhelm Busch. Max und Moritz
Der neue Schulnetzplan ist eine gute kommunalpolitische Voraussetzung dafür, dass gewachsene Strukturen im Landkreis erhalten bleiben und sich weiter entwickeln können. 
Sie ist vor unter den gegebenen und zu erwartenden demografischen Entwicklungen als grundsätzlich anzusehen.  
Deshalb hat es auch DIE LINKE im Kreistag begrüßt, dass  die 48 Grund- und 23 Mittelschulen, 9 Gymnasien und 9 Förderschulen wenigstens bis 2020 erhalten bleiben sollen.  Dort gibt es Konsens mit den anderen Fraktionen des Kreistages und da setzt sich auch die Fraktion DIE LINKE konsequent ein.


Was sich allerdings auf Landesebene in der Bildungspolitik abspielt ist eine völlig andere Betrachtungsebene. Gerade dort werden aber seit längerer Zeit Widersprüche und Gefahren sichtbar, die sich in der kommunalen Schulpolitik schmerzhaft niederschlagen.

In ihrer Internetpräsenz scheint die CDU unseres Landkreises das jedoch nicht zu verstehen, denn sie bricht in hellen Jubel darüber aus, dass für das neue Schuljahr durch die Landespolitik alles bestens abgesichert wäre. Aber es fehlen Nachwuchslehrer, es fallen unverantwortlich viele Stunden aus, es gibt nicht genügend Finanzen für die erforderlichen Investitionen zur Schulmodernisierung, für die Inklusion behinderter Kinder fehlen nach wie vor die gesetzlichen Grundlagen … Aber das scheint für die Meißner CDU alles keine Rolle zu spielen. Und die zusätzlichen Forderungen der Opposition im Landtag werden als „unbezahlbar und populistisch“ bezeichnet.

Selbst nach Ansicht des Bildungsexperten der CDU Landtagsfraktion, Thomas Colditz, ist auch mit der Ernennung von Brunhild Kurth zur neuen sächsischen Kultusministerin keines der drängenden Probleme gelöst.


Dresden. CDU-Bildungspolitiker machen dem sächsischen Finanzministerium Druck: Nach einer internen Studie der CDU-Landtagsfraktion droht aufgrund des Lehrermangels im kommenden Schuljahr ein drastischer Anstieg des Unterrichtsausfalls.

Die Leipziger Volkszeitung hat dieser Tage Berechnungen der Arbeitskreises "Schule und Sport" der CDU-Landtagsfraktion veröffentlicht. Danach kann einem himmelangst werden.

Einige Fakten daraus
Im vorigen Schuljahr betrug der Unterrichtsausfall betrug demnach 3,6 Prozent. Derzeit liegt er bei 4,3 Prozent. 0,6 Prozent als "planmäßiger Ausfall" bezeichnet, weil kein Lehrpersonal für die Unterrichtsstunden verfügbar ist. Und man rechnet dort mit einem Anstieg auf 2,9 Prozent - Fehlstunden durch Krankheit sind da noch nicht mitgezählt.

591 Stellen werden am Ende des Schuljahres frei. Die Studie gibt jedoch einen Verlust an aktivem Arbeitsvermögen in Höhe von ca. 852 Stellen an. Aufgrund des Bildungspakets der Landesregierung stehen dem nur 300 Neueinstellungen gegenüber, d.h. ein Minus von  552Stellen. 

Der laufende Staatshaushalt weist 27.595 Lehrerstellen aus. Das "aktive und unterrichtswirksame Arbeitsvermögen" der Lehrer an Sachsens Schulen liegt nach den Berechnungen aber nur bei 26397 Stellen. Die Differenz entsteht vor allem durch die Altersteilzeit-Regelung, in die viele Pädagogen bald eintreten. Ab September werden aber etwa 700 Schüler mehr in den sächsischen Schulen lernen.

Die Forderung der Opposition im Sächsische Landtag umfasst 850 zusätzliche Lehrerstellen. In der CDU spricht man von einer Einigung bei maximal 800.

Sind diese Zahlen auch der Meißner CDU bekannt? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für unseren Landkreis? Das laufende Schuljahr ist bald vorbei und für die Vorbereitung des neuen wird die Zeit immer knapper. Wir müssen deshalb in aller Konsequenz fragen, wie der tatsächlich Stand auf Landes- und auf Kommunalebene ist und vor welchen konkreten Problemen die Schulträger  stehen.

Dr. G. Dietmar Rode
Mitglied im Bildungs- und Sozialausschuss

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