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Sonntag, 30. Januar 2022

Zum Gedenken an die Opfer des Faschismus

  Radebeul - Rosa-Luxemburg-Platz, 27. Januar 2022

Es wurden keine großen Reden gehalten, wie das manchmal so üblich ist. Es herrschte andachtsvolle Ruhe, die nur durch die Rezitationen der Schüler des Gymnasiums Luisenstift unterbrochen wurde.  Sie lasen Passagen aus dem Tagebuch von Henny Brenner, die als junge Frau und "Halb-Jüdin" den rassistischen Terror der Nazis in Dresden erleben musste. (vgl. Sächsische Zeitung, Ausgabe Radebeul, S.16). Sie musste ab 1941 - 1945 in einem Rüstungsbetrieb Zwangsarbeit leisten, ähnlich wie der Sprachwissenschaft und Romanist Victor Klemperer unter diesem perversen Regime. Öffentliche Ächtung und Erniedrigung, soziale Isolation, Hunger und ständige Angst um das eigene Leben und das der Familie waren für sie Kennzeichen dieser Zeit, wie aus dem Tagebuch von Henny "Das Lied ist aus" zu erfahren ist.


Apropos: Klemperer wurde nach dem Krieg vor allem durch sein Buch LTI (Lingua tertii imperii - Die Sprache des Dritten Reiches) bekannt. In seinem "Notizbuch eines Philologen" hielt er vor allem den Sprachverfall der Nazis fest. Es gilt noch heute als eines der überzeugendsten Lehrbücher gegen die Ideologie des Faschismus. Er schrieb u.a.: "Worte können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da." Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1070, S. 24). 

Das ist noch heute so erschreckend aktuell, denn "...die Sprache des Dritten Reichs scheint in manchen charakteristischen Ausdrücken überleben zu sollen; sie haben sich so tief eingefressen, dass sie ein dauernder Besitz der deutschen Sprache zu werden scheinen." (Klemperer, S. 23). Im gegenwärtigen Sprachgebrauch treffen wir immer noch Ausdrücke wie "Juden" (als schlimmes Schimpfwort) oder "Internationales Judentum" (als Ausdruck der Schuldzuweisung) an, gepaart mit "Volkstod", "Umvolkung", "Messereinwanderung" oder "Ausländergewalt". Besonders fies ist es, wenn im Zusammenhang mit Protesten gegen den Corona-Schutz der als Antisemitismussymbol genutzte David-Stern heute erneut umgedeutet und missbraucht wird.


Wir dürfen die hässlichen Seiten deutscher Geschichte nicht vergessen, denn ihre Sporen können immer noch gefährliche Giftpilzgeflechte aufkeimen lassen.

Erfreulich ist, dass die geschätzte Zahl der Teilnehmer an dieser Veranstaltung wohl größer als im vergangenen Jahr war. Auch eine kleine Gruppe der LINKEN.Radebeul war gekommen.

G. Dietmar Rode, Blogger


Fotos: Rode



Donnerstag, 5. Juli 2018

Antifaschismus lässt sich nicht verbieten

Presseerklärung aus dem Landesvorstand 

31/2018, 05.07.2018

„Wenn die AfD in Sachsen meint, ‚die Antifa‘ verbieten lassen zu wollen, beweist sie damit nur eines: sie hat den Antifaschismus bis heute nicht verstanden“, 

so Silvio Lang, stellv. Landesvorsitzender der sächsischen LINKEN und Sprecher für antifaschistische Politik des Landesvorstandes, anlässlich des Antrages der sächsischen AfD-Fraktion, in dem die sächsische Staatsregierung aufgefordert wird, sich für ein Verbot der „Antifaschistischen Aktion“ und aller Untergruppen einzusetzen.

„Antifaschismus oder kurz Antifa ist keine bestimmbare Gruppe von Menschen, es ist ein Meinungs- und Wertekonsens, getragen von einem Kern: Nie wieder Auschwitz! Nie wieder Faschismus! Wer diese Werte mitträgt, der ist Antifaschist_in.
Wie nötig antifaschistische Arbeit, besonders in Sachsen, weiterhin ist, beweist allein schon die AfD fast wöchentlich. Wer wie erst kürzlich wieder Sinti und Roma zählen lassen will, dem wird antifaschistischer Widerstand weiterhin sicher sein.

Antifaschistisches Engagement findet sich nicht nur in der LINKEN, sondern auch in vielen Bündnissen, in den Gewerkschaften, in den Kirchen, in außerparlamentarischen Gruppen und ja, auch in Vereinen. Wer ‚die Antifa‘ verbieten will, müsste also einen Großteil der Zivilgesellschaft verbieten. Der will Meinungsfreiheit einschränken.

Das letzte Mal, dass Antifaschismus in Deutschland verboten wurde, war übrigens in der Zeit von 1933 bis 1945. Die AfD zeigt hier deutlich, wohin sie wieder zurück will. Wie damals aber gilt auch heute: Antifaschistinnen und Antifaschisten mag man einsperren wollen, Antifaschismus lässt sich nicht einsperren!“