| Dr. Fichte bei einer Diskussionsveranstaltung im Mai 2014 im Haus für Viele(s) in Meißen. Foto: Rode |
Leserbrief an die Sächsische Zeitung vom 30.1.2010
von Dr. Reinhard Fichte
Zu Recht wurde im Sächsischen Landtag die fragwürdige Entwicklung der Staatlichen Porzellan-Manufaktur hinterfragt. Wer Luxuskleider, Luxustextilien, Luxusmöbel auch im Ausland usw. produziert, muss sich schon Fragen nach dem verfassungsrechtlich geschützten kulturellen Erbes des Freistaates, zu dem das Meissner Porzellan in 300-jähriger Tradition steht, gefallen lassen.
Man staune. Dazu gehören, zum Nachteil der Entwicklung des Kerngeschäftes des Weißen Goldes Meissener Porzellan mit dem weltbekannten Markenzeichen der Blauen Schwerter, 120.000 patentrechtlich geschützte Allerweltsprodukte, wie z.B. Schneiderbürsten, Spielzeugkisten, Spülsteinmatten usw. und ein „IKEA Sortiment“ für Reiche.
Es ist kaum fassbar. Dafür wurden zu Lasten des Steuerzahlers bisher ca. 100Mio € kumulative Gewinn-Rücklagen sowie finanzieller Stützungen verbraucht (30 + 70Mio.€).
Gut und richtig ist, dass Herr Sodann als Abgeordneter des Landtages diese Fragwürdigkeiten ungeschminkt beim Namen nennt. Damit beleidigt er nicht die Manufakturisten, wie es der christliche Demokrat Herr Michel benennt. Nein, er hält mit seinen Worten die schützende Hand über die Künstler und Mitarbeiter. Das künstlerische Humankapital der Belegschaft ist ein hohes Gut, welches in ihrem Bestand gepflegt, erhalten und weiterentwickelt werden muss.
Leider gibt es hier ernsthafte Rückstände. Denn hier ist das dafür notwendige Geld im neuentwickelten Lifestyle-Luxuskonzern zweckentfremdet und wettbewerbsverzerrend verbrannt worden. Wären auch diese Beträge in die Neuentwicklung von zeitgemäßer Porzellan-Manufakturproduktion geflossen, dann stände unsere Porzellan-Manufaktur heute nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern im traditionellen neuen Glanz von Weltausstrahlung.
Dr. Reinhard Fichte
Sprecher der Bürgerinitiative “Manu in Gefahr"
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