Bürger wenden sich an uns
Brief der Familie Stranz
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Bestürzung habe ich den Entschluss zur Abbestellung der RB Linie 110 Meißen – Nossen (Döbeln) aufgenommen. Damit demontiert das Land Sachsen weiter das Eisenbahnnetz in der Fläche und schiebt wie schon seit Jahren das Alibi Busangebot vor.
Doch aus eigener Erfahrung - lange Zeit Wohnhaft an einer stillgelegten Bahnstrecke – das der Busverkehr noch wenige Jahre finanzielle abgesichert ist und alsbald erfolgt die weitere Ausdünnung. Leidtragend sind diejenigen, welche auf den ÖPNV angewiesen sind. Hat man denn nicht aus Fehlern der vergangenen Jahrzehnte gelernt?
Immer wieder kommen Halbsätze, der Busverkehr sei günstiger. Diese Phrase funktioniert nicht, da man beide Verkehrsträger nicht einfach auf die Kosten heruntergebrochen vergleichen kann. Jeder Verkehrsträger hat seine Vorteile, welche man entwickeln und ausspielen kann. Die Bahnstrecke an der Freiberger Mulde muss als Gesamtstrecke betrachtet werden und dann auch bis Dresden. dann spielt die Bahn ihr Potential aus. Gleichzeitig kann man Busverbindungen mit diesem Bahn Angebot verknüpfen, so dass eine Feinverteilung von Bus in die Fläche bzw. von flexiblen angeboten erfolgen kann.
Es ist schade, dass man hier mit voller Energie die selben Fehler der 80er und 90er wiederholt und die Alternativen kaum kreativ betrachtet werden.
Viele Jahre haben wir die RE Verbindung von Leipzig über Döbeln – Nossen zu Ausflügen genutzt. Das Angebot mit RE/RB war bestens und die Fahrzeiten ausreichend. Im abschnitt des MDV konnten sogar kostenfrei Fahrräder mitgenommen werden.
Ab Mitte der 2000er Jahren wurde das Angebot konsequent zurückgefahren. Umläufe wurden gebrochen und der Wegfall der durchgehenden Verkehre nach Dresden war eines der größten Fehler. Stück für Stück wurde dank Sachsens Verkehrspolitik diese ehemalige Hauptbahn ruiniert und ähnlich der Muldetalbahn (Großbothen-Rochlitz-Glauchau) wird den vor allem touristisch orientierten Gewerbe die Existenzgrundlage entzogen. Seit Einstellung der Muldetalbahn waren wir auch nicht mehr mit dem Auto dort.
Bahnverkehr ist eine verlässliches Angebot, Busverkehr nur auf die Region zugeschnitten. Da kommt man nicht auf die Idee von außerhalb auf den Regionalbus umzusteigen. Man weicht auf andere Regionen mit besseren Angebot aus.
Der Landkreis Meißen hat ja schon vor Jahren seine Kreiseigene Busgesellschaft auf Vordermann gebracht (auf Kosten der Bahnangebote) und Parallelverkehre sittenwidrig angeboten. Fazit waren Einstellungen von Bahnleistungen und das setzt sich leider nun fort. Mit dem kurzfristigen Denken im Land und Landkreis wird nachhaltig Infrastruktur zerstört – Infrastruktur, welche überregional Bedeutung hat. Aber mit dem kleinteiligen Auseinanderrechnen, schafft man es letztendlich Fahrgastzahlen als Argumentation zu nutzen, die eine angebliche Abbestellung unverhinderlich werden lassen.
In keiner Weise wurden Herr Morloks Straßenbau- und Umgehungsstraßenbaupläne hinterfragt. Auch hier ließe sich eine Liste erstellen, wo Geld das Fenster hinausgeworfen wurde, nur kann man bei Straßen viel schlechter die Nutzung erfassen und zum Schluss macht das auch keiner.
Herr Morlok kürzt lieber radikal die Leistungen im ÖPNV/SPNV. Typische FDP Politik, die man ja aus anderen Bundesländern kennt. Warum geht Herr Morlok nicht an das Grundübel – den 5 zerklüfteten Zweckverbänden in Sachsen. Nirgendwo in Deutschland gibt es derartige kleine Aufgabenträgerstrukturen – Sachsen mag sich das leisten wollen. Nur kostet jeder Verwaltungsapparat der Zweckverbände richtig Geld.
Und jeder Zweckverband agiert nur bis zum eigenen Tellerand. Das wird einem bewusst, wenn man sieht, wie unterschiedlich auch die Leistungsangebote entwickelt werden. Der VMS setzt auf teure Tram Spielereien, im Vogtland bekommt jetzt selbst das Konzept der Vogtlandbahn Löcher, der VVO schafft Verträge mit den besten RE Linien, welche jetzt mit Discounter Triebwagen (TALENT 2) gefahren werden. Der ZVNL kann sich einen teuren Tunnel leisten, den kaum einer in der Region wollte. Und in Niederschlesien / Oberlausitz sind die finanziellen Mittel auch sehr mager und die Angebote werden damit angepasst oder besser nach und nach reduziert,
Warum schafft das Land Sachsen nicht EINE Bestellhoheit für alle und damit EIN! landesweites Konzept?
(Siehe Sachsen-Anhalt; Thüringen; Brandenburg; Mecklenburg VP)
Das einstige Eisenbahnland Sachsen wird zum Entwicklungsland in Sachen SPNV.
Strecken, welche als Ganzes funktionieren könnten, werden zerschlagen und dann endgültig verschwinden.
Und wenn man dieses Konzept weiterfährt, so ist das nicht die letzte abbestellte Strecke gewesen.
Ein Armutszeugnis für den VVO ist der ewige Streit um den Wiederaufbau der Weißeritzbahn, wir haben jetzt 2013!
Hier wird die Inkompetenz dann richtig deutlich.
Was bedeutet jetzt die Abbestellung der Leistungen Nossen-Meißen?
Auch zwischen Döbeln und Nossen wird der VMS seine Leistungen abbestellen. Die Kleinstadt Nossen – einst Eisenbahnknoten – mit Sitz eines rührigen Eisenbahnvereines ist nicht mehr ans Bahnnetz angeschlossen.
Roßwein wird es ebenso treffen. Aber wer denkt denn noch daran, dass Döbeln-Großbothen sicher ist? Bahnstrecken sterben auf Raten und somit ist auch dieser Abschnitt gefährdet. Da auch die Muldetalbahn ab Großbothen in Richtung Glauchau leider schon ein Opfer der sächsischen Verkehrspolitik ist. Letztlich dürfte Mittelfristig nur noch unter den jetzigen Bedingungen der Abschnitt Leipzig Hbf – Grimma überleben.
Und es wird so sein, dass den Bürger ein tolles Busangebot versprochen wird. Wir bekamen für ein Jahr sogar Stundentakt im Busverkehr. Doch dann kam die Ernüchterung, Spätverkehre gab es nie – bei der Bahn schon. Wochenendverkehr wurde kräftig ausgedünnt und heute ist auch das Angebot in der Woche nur noch an den Schülerverkehr orientiert. In den 90ern konnte das Land Sachsen den Landkreisen sogar Stilllegungsprämien zahlen.
Die damaligen Entscheidungsträger sind heute wieder im Westen und haben ihr Werk in Sachsen vollendet.
Man kann nur hoffen, dass die Menschen in den Regionen nicht den Kopf in den Sand stecken und resignieren.
Die sächsischen Landtagswahlen sind eine Möglichkeit, diesen „Budenzauber“ von Herrn Morlok zu beenden.
Noch sind Korrekturen im sächsischen ÖPNV Angebot möglich. Wann wurden eigentlich die Leistungen der Bahnlinie Leipzig-Döbeln-Nossen-Meißen- Dresden ausgeschrieben? Vielleicht hätte diese Strecke als Regionetz, ähnlich Freiberger Eisenbahn bzw. Erzgebirgsbahn mehr Chancen?
Aber dazu soll es ja nicht kommen, der Landkreis Meißen will ja seinen Bus.
Der Schaden für den Tourismus in der Region wird groß werden und erst nach und nach sichtbar. dann könnte es schon zu spät sein.
Ich hoffe und wünsche mir, dass wir auch künftig auf dieser wunderschönen Bahnstrecke fahren werden und das sich Fehlentscheidungen dank Bürgerwillen, korrigieren lassen.
Ich wünsche Ihnen daher eine besonders besinnliche Adventszeit
Familie Thomas Stranz

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