| Kerstin Lauterbach zum Tag der offenen Tür am 03.10.2012 im Sächsischen Landtag (rechts: Klaus Tischendorf, MdL)/Foto: Rode |
erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag Kerstin Lauterbach:
Mittlerweile ist es allgemein bekannt: Jeder dritte bis vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Dennoch sind psychische Erkrankungen ein Tabu. Stereotype über psychische Krankheiten sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet. Zu psychisch erkrankten Menschen wird im allgemeinen Distanz hergestellt und über eigene seelische Erkrankungen wird nicht gesprochen. Betroffene leiden unter gesellschaftlicher Ausgrenzung und Benachteiligung so sehr, dass dadurch sogar ihr Gesundungsprozess beeinträchtigt werden kann. Stigmatisierungen werden von Betroffenen oft wie eine zweite Krankheit erlebt.
Derzeit häufen sich die Meldungen über die Zunahme von psychischen Belastungen in der Arbeitswelt. Stress, Arbeitsverdichtung, Leistungsdruck, aber auch Angst vor Arbeitslosigkeit, finanzielle Unsicherheiten aufgrund niedriger Löhne und prekärer Beschäftigungsformen gehören für viele Beschäftigte leider zum Arbeitsalltag. Im Jahr 2010 belegten Depressionen erstmals den Spitzenplatz bei den Fehltagen (vgl. Techniker Krankenkasse: Gesundheitsreport 2011). Die Zahl der Menschen, die wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus mussten, hat in den vergangenen 20 Jahren um 129 Prozent zugenommen (BARMER GEK: Report Krankenhaus 2011). Im Jahr 2010 war nahezu jeder zehnte Ausfalltag auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen (Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK). Dies macht sich auch bei den Erwerbsminderungsrenten bemerkbar: Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Dr. Herbert Rische, weist darauf hin, dass psychische Störungen mit rund 40 Prozent der Fälle die häufigste Diagnosegruppe bei verminderter Erwerbsfähigkeit sind.
Hinzu kommt in Sachsen, eine sehr mangelhafte Versorgungssituation. Ich sehe folgende spezifische Probleme in Sachsen: Erstens eine weit verbreitete Unterversorgung, insbesondere aufgrund fehlender psychotherapeutischer Angebote, die dann natürlich für die Betroffenen zu Warte- und Bestellzeiten bis zu sechs Monaten und länger führen, zweitens damit eng verbunden ein Fachkraftmangel und eine schlechte Bezahlung, sowie drittens ist der betriebliche Gesundheits- und Arbeitsschutz ungenügend auf die neue Situation eingestellt.
Ich möchte gleichzeitig alle Interessierten zu einem gesundheitspolitischen Fachgespräch zum Thema „Die Förderung der psychischen Gesundheit“ in den Landtag einladen. Am 30. Oktober wollen wir ab 14:30 Uhr u. a. mit der Vorsitzenden der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer Andrea Mrazek, mit einem Vertreter der Psychiatriekoordination der Stadt Leipzig sowie mit erfahrenen Psychologinnen des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Gesetzlichen Unfallversicherung und der Unfallkasse Sachsen diskutieren.
Kerstin Lauterbach
MdL und Kreisvorsitzende DIE LINKE Meißen
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Kommentare sind das Salz in unserer Suppe.