Als Kreisrätin aus einem ländlichen Raum widerspreche ich vehement dem SZ-Redakteur.Herr Müller beurteilt die Lage der Jugendlichen als Beobachter und Außenstehender. Er arbeitet nicht mit jungen Menschen, sondern schreibt und urteilt ohne gründliche Sachkenntnis über sie.
Ich war froh, dass wir im Kreistag nach einem intensiven Diskussionsprozess den Jugendhilfeplan beschlossen hatten, der kein Wunschprogramm ist, sondern vielmehr auf der Grundlage einer gründlichen Analyse zwingend notwendige Maßnahmen und Angebote enthält.
Nun, nachdem mit dem Kreishaushalt 2010 dafür auch Mittel zur Verfügung stehen, kürzt die Staatsregierung plötzlich die Förderung in der Jugendarbeit. Gerade erst aufgebaute Betreuungsstrukturen brechen weg, sich entwickelnde feste Beziehungen zwischen Betreuern und Jugendlichen werden zerstört.
Herrn Müller lässt es offensichtlich kalt, dass auf diesem schwierigen Gebiet arbeitenden Fachkräfte plötzlich gekündigt werden muss. Großzügig bietet er den Jugendlichen an, in Vereine zu gehen, in denen Ehrenamtliche "ganz ohne Zuschüsse" arbeiten, (was z.B. für Sportübungsleitern auch nicht zutrifft) und für mich das Schlimmste: Herr Müller verkennt die von Rechtsextremisten ausgehenden Gefahren.
Wer so über unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die heranwachsende Generation denkt und argumentiert, sollte die Finger vom Schreiben lassen oder - auf ein Angebot von Wolke 7 warten.
Ich freue mich, daß eine Kreistagsabgeordnete aus dem Plenarsaal heraustritt und mit der Öffentlichkeit kommuniziert - auch mit jenen Teil, der die lokale Ausgabe der (nicht genannten) Zeitung nicht zu Gesicht bekommt.
AntwortenLöschenPolitik ist also doch eine öffentliche Sache. Und ich wünsche ihr mehr Resonanz.