Orientierung

Sonntag, 14. Juni 2026

Die Einsicht: Kapitalismus ist scheisse

Dialogische Mitteilungen aus Wittenberg 

Nr. 35 aus 26 vom 13.6.2026

Gespräch mit Heinz Weber, DKP Torgau1


Wir wollen uns heute mit Herrn Heinz Weber über den Kapitalismus unterhalten. Herr Weber findet diesen „scheisse“. Darüber sprachen wir mit ihm.

DieEinsicht: Die Überschrift dieser Einsicht haben Sie vorgeschlagen. Setzen Sie sich und uns nicht der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung aus?

HerrWeber: Zugegeben, das verwendete Adjektiv ist ein Schimpfwort, das im Zusammenhangmit Beleidigungen zum Zuge kommt. Hier fehlt es aber an einer beleidigungsfähigen Person bzw. an einem beleidigungsfähigen Personenkreis.

DieEinsicht: Den Kapitalismus kann man nicht beleidigen?

HerrWeber: Im Rechtssinne nicht. 

DieEinsicht: Sind Sie da ganz sicher?

HerrWeber: Wenn es ums Recht geht, kann man sich nie ganz sicher sein, die Rechtsentwicklung ist in ständiger Bewegung. Denken Sie an die Sanktionierung durch die EU gegen Personen wegen unliebsamer Meinungsäußerungen im Verwaltungswege. Vor ein paar Jahren hätten Sie keinen Rechtsprofessor in Deutschland finden können, der so etwas für möglich gehalten hätte. Im Ergebnis kann ich mir jedenfalls zurzeit nicht vorstellen, wegen der Überschrift bestraft zu werden.

Die Einsicht: Warum finden Sie den Kapitalismus ...?

HerrWeber: Das drängendste Problem ist zurzeit die Frage von Krieg und Frieden. Deutschland strebt dem Krieg entgegen. Der sogenannte Verteidigungsminister Boris Pistorius will das Land „kriegstüchtig“ machen. Die kriegslüsternen Kreise in Deutschland träumen von einem Angriff gegen Russland.

DieEinsicht: Aber geht es denn nicht nur um Verteidigung, schließlich hat Russland auch die Ukraine angegriffen?

HerrWeber: Darüber darf man heute in Deutschland nicht debattieren. Ein Friedensaktivist, der seine Meinung zur Vorgeschichte des Ukrainekriegs geäußert hatte, ist deswegen schon vor Gericht gelandet. Ich möchte mich nicht unnötig dem Verdacht einer Straftat aussetzen. Jedenfalls darf man heute hoffentlich noch laut sagen, dass die Annahme, Russland wolle die EU angreifen, angesichts seiner offensichtlichen militärischen Unterlegenheit abwegig ist, wo es doch alle Schwierigkeiten hat, schon mit der Ukraine fertigzuwerden. Wer behauptet, Russland werde die Nato angreifen, sagt die Unwahrheit.

DieEinsicht: Nehmen wir mal an,

Sie hätten hinsichtlich des Krieges Recht; ist der Kapitalismus nicht in ökonomischer Hinsicht besser als der Sozialismus?

HerrWeber: Nein, Kapitalismus ohne Krieg ist nicht zu haben. Im Übrigen befinden wir uns gerade in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Ökonomie funktioniert nicht mehr. Marx hat nachgewiesen, dass Krisen im Kapitalismus unvermeidlich sind. Perverser Weise soll uns da der Krieg heraushelfen. Das ist die Logik des Kapitalismus. Bei einem nächsten Sozialismusversuch wird es besser funktionieren. Die Chinesen machen es uns vor.

DieEinsicht: Was haben Sie noch am Kapitalismus auszusetzen?

HerrWeber: Die zwischenmenschlichen Beziehungen funktionieren nicht. Jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Das ist eine Folge der allenthalben propagierten Profitgier. In der DDR war das anders. Da waren Freundschaft und Kameradschaft noch etwas wert. In der Bundesrepublik hatte man vor längerer Zeit den sogenannten Sozialstaat eingeführt. Die extremen Auswüchse des Kapitalismus sollten durch sozialstaatliche Maßnahmen wie Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitlosenversicherung u.s.w. abgefedert werden. Das hat auch eine Weile einigermaßen geklappt. In den heutigen Kriegsvorbereitungszeiten ist aber für den Sozialstaat nicht mehr genug Geld da. Überall werden durch sogenannte „Reformen“ Leistungen gestrichen. Das ist auch logisch, denn ein Euro kann nur einmal ausgegeben werden.

DieEinsicht: Herr Weber, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Verantwortlich: Dr. Wilhelm Rettler, Bachstraße 22, 06886 Lutherstadt-Wittenberg, Druck: Eigendruck.

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