Orientierung

Donnerstag, 30. April 2026

Zur Diskussion am Tag der Arbeit

 Arbeit, Arbeit, Arbeit,

rief Kanzler Gerhard Schröder einst ins Mikrofon. Das war als die DotCom-Blase platzte. Oder, je weniger Arbeitsaufwand, um so heftiger der Schrei nach Arbeit. Was heutige Erdbewohner schon ahnen, war vor hundert Jahren nur Randthema. Walter Rathenau hat sich 1908 vorgestellt:

„Eine ideale Fabrik wäre eine, die wie ein riesiges Uhrwerk automatisch funktioniert und nur eines einzigen Arbeiters als Aufseher bedarf. … Dieser Arbeiter als Aufseher aber hätte ausschließlich geistige Arbeit aufzuwenden …“.

Auch John Mainard Keynes ahnte 1930, dass in hundert Jahren etwa 15 Stunden Wochenarbeitszeit angemessen währen. (Keynes, Die wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Enkelkinder)

Zur Sache kam man nach dem zweiten Weltkrieg. Norbert Wiener trat 1948 mit „Cybernetics“ eine Diskussion los. Der Schwund der Kaufkraft lag in der Luft. Hannah Arendt, auf die Automation blickend, schrieb 1958 in der Einleitung zu „Vita Activa“: Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein? Weitere Autoren, wie Jeremy Rifkin 1995 „Das Ende der Arbeit“, beschränkten sich meist auf die sozialen Folgen.

Dabei blieb es vorerst. Das Wachstum der Weltwirtschaft ging weiter bis die Mikroelektronik den weltweiten Wettbewerb derart verschärfte, dass die Industriearbeiterschaft stark ausgedünnt wurde.

Dass das vom Geld der Industriearbeiter abhängige Dienstleistungsgewerbe die Lücke nicht füllt ist an den Löhnen zu sehen und auf dem Mars gibt’s auch keine neuen Konsumenten.

Wenn nun durch die KÜNSTLICHE INTELLIGENZ auch noch in den Verwaltungen, den Konstruktionsbüros, der Beriebswirtschaft und der Kulturindustrie „aufgeräumt“ wird, bleibt den Regionen, Landkreisen, Gemeinden nur noch eine Option: selbst organisieren. Maschinell produzierte Güter lassen sich letztlich nur noch verschenken. Aktionäre und Fondgesellschaften zu bedienen ist dann unmöglich. Wie wär`s wenn wir den Geburtstag von Norbert Wiener am 26.11. zum Feiertag der werktätigen Maschinen küren?

(Lit. Robert Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus, https://www.exit-online.org/wpcontent/uploads/2025/05/schwarzbuch.pdf)

Eberhard Holt

Ing. für kreative Zerstörung der Lohnarbeit (Ing. für Automatisierung)

https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai

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