| Graffito: Daniel Rode, 18. 03. 2022 |
Musik kann, wie auch andere Formen der Kunst, zeitlose Aussagen schaffen. Heute habe ich mir dieses Symbol des Antifaschismus seit langer Zeit wieder einmal angehört - "spiegelverkehrt" allerdings. Ihre Premiere fand im belagerten Leningrad am 9. August 1942 statt. Sie wurde auch von allen sowjetischen Rundfunksendern und mit Lautsprechern in der Stadt übertragen und war auch von den deutschen Truppen zu hören. Der Oberbefehlshaber der Leningrader Front befahl, die deutschen Artilleriestellungen vorher zu bombardieren, um danach einen andachtsvollen Empfang der Sinfonie zu gewährleisten.
Nach dem Krieg gab es Vermutungen, dass man dieses groteske Kunstwerk Schostakowitsch ebenso gut auch gegen die Stalin´sche Diktatur ausgerichtet wahrnehmen könnte. Schostakowitsch selbst soll das markante Thema des ersten Satzes inoffiziell als "Stalin-Thema" bezeichnet haben.
Sei es drum. Aber ich sehe da auch eine frappierende Aktualität. Sollten sich nicht vielleicht die verbissenen Kämpfer beider Seiten im Ukraine-Krieg dieses Kunstwerk anhören? Krieg ist grausam und irrational. Und heute ist es schon gar hervorzuheben, dass Kriege nicht mehr gewinnbar sind. Sie bringen Tot, Hass und Chaos. Aber sie lösen keine Konflikte. Die Frage nach der Schuld wird damit immer unklarer. Die Auflösung kann nur der Frieden sein. Diese Sinfonie zur Verurteilung des Krieges im Jahr 1942 steht in der Aussage in ähnlicher Weise da wie Jimmy Hendrix´ Verzerrung der amerikanischen Hymne "Star Spangled Banner" während des Vietnam Krieges oder John Lennons "Give Peace an Chance".
G. Dietmar Rode, Blogger
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Kommentare sind das Salz in unserer Suppe.