Orientierung

Donnerstag, 11. Februar 2016

Auch an ihrem Stil könnt Ihr sie erkennen

Anregungen für ein Programm bei Mark Twain
Quelle: http://www.labbe.de/lesekorb
Zum Aschermittwoch mal SVP

Den Steuerzahlern müsste es weh tun. Zwanzig Leutchen versammelten sich, um böse Sprüche auf dem Markt zu johlen. Und dazu fuhren sogar fünf Polizeiautos auf. Welcher Aufwand! Das ist schon eine verzerrte Szene, wenn die Sächsische Volkspartei (SVP) eine Versammlung unter der Losung „Merkel muss weg! Wir sind das Volk!“ vor dem Rathaus in Meißen anmeldet. Und die Kreisverwaltung hakt den Antrag als ordnungsgemäß ab. Den Paragraphen der Majestätsbeleidigung gibt es nicht mehr. Also bestand kein Grund zur Ablehnung. Für die gleiche Zeit luden die Stadträte in den Festsaal zum Politischen Aschermittwoch ein.

Wer ist aber diese SVP? 1866 gab es schon einmal eine Partei dieses Namens, unter Mitwirkung von Wilhelm Liebknecht und August Bebel. Die von damals war linksliberal und radikaldemokratisch, und ging später in die SPD ein. Aber damit hat die heutige SVP nichts zu tun, nur der Name ist geklaut. Nach Wikipedia ist sie eine rechtsgerichtete, nationalistische Regionalpartei im Bundesland Sachsen mit nicht einmal 130 Mitgliedern. Parteivorsitzender ist Mirko Schmidt, der im Jahr 2004 über die Landesliste der NPD in den sächsischen Landtag einzog und bis 2009 fraktionsloser Landtagsabgeordneter war.

Die Webseite (www.svp-sachsen.de) dieser kleinen, bescheidenen Truppe ist vor allem etwas für die Lachmuskeln. Damit meine ich nicht nur das stümperhafte Layout, an dem auch die schönen Heimatfotos nichts bessern, und die Verstöße gegen die deutsche Orthografie und Grammatik. Es fehlt vor allem an ernsthaften Inhalten. Neben einem Statut, aus dem nicht viel mehr als die Beitragszahlung und die Regeln der Abstrafung bei Verstößen hervorgehen, finden sich nur ein paar zusammenhanglose Zitate. Am schlimmsten jedoch ist, dass es kein Programm gibt, aber mehrfach dazu aufgerufen wird, es zu diskutieren. Das erinnert mich irgendwie an den Ehrenkodex von Tom Sawyers "Räuberbande" in „Huckleberry Finns Abenteuer und Fahrten“ (Mark Twain). 

Besonders schlimm ist nicht das Blamable an einer solchen Erscheinung, sondern dass auch damit beigetragen wird, die konstruktive politische Debatte außer Kraft zu setzen, und mit Absurditäten und Böswilligkeiten die öffentliche Stimmung zu vergiften. Persönlichkeiten wie z.B. Ulrich Baudis (DIE LINKE) oder Oberbürgermeister Raschke (parteilos) werden immer wieder übel beschimpft und Klischees von den generell bösen Flüchtlingen bis zur Erschöpfung deklamiert. Aber gerade an diesem Stil kann sie erkennen, wer einiger Maßen sachlich bleibt.

G. Dietmar Rode
Blogger

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