Am 30. Januar 2014 in der Jungen Welt veröffentlicht
Von Dr. Volker Külow,
Prof. Dr. Ekkehard Lieberam und
Dr. Dietmar Pellmann
DIE LINKE.Leipzig
In den letzten Wochen ist
innerhalb der Partei DIE LINKE und von linken Autoren wie z.B. Horst Kahrs, Gerd
Wiegel und Albrecht Müller viel Richtiges über PEGIDA (im Folgenden
Sammelbezeichnung für alle „GIDA“-Bewegungen) diskutiert und geschrieben
worden. Auch zum Charakter dieser neuartigen Protestbewegungen wurde Stellung
genommen. Es handelt sich um einen „gesellschaftlichen Rechtsruck“, dessen
Ursachen im Bereich komplexer politischer Fehlentwicklungen zu suchen sind.
Notwendig sei eine Aktualisierung linker Politik als Opposition, merkte Dietmar
Bartsch in einem Interview mit dem nd vom 19. Januar 2015 an. Der Parteivorstand
forderte in seinem Beschluss vom 24. Januar 2015 zu Recht, als Antwort auf
PEGIDA nicht zuletzt „eine gesellschaftliche Bewegung für soziale
Gerechtigkeit“.
Übersehen können wir jedoch nicht,
dass selbstkritische Überlegungen bislang kaum zu hören sind und die
unterbreiteten Schlussfolgerungen für die Politik der LINKEN zu allgemein bleiben.
PEGIDA wird bisher zu wenig in Bezug zur hochexplosiven internationalen Lage
und zur sich vertiefenden Verfallskrise des Kapitalismus gesetzt. Die Diskussion
macht auch den stärkeren Bezug zu den historischen Erfahrungen erforderlich,
die sozialistische und kommunistische Parteien mit ähnlichen Bewegungen in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machen konnten.
Es fehlt aus unserer Sicht vor
allem bisher eine entscheidende Grunderkenntnis: PEGIDA ist auch ein Alarmsignal für Schwächen der Partei DIE LINKE
und der antikapitalistischen Linken in Deutschland insgesamt.
Mit den folgenden ersten Überlegungen
wollen wir die in der Partei begonnene Debatte fortführen.
Bedrohungsängste angesichts Kriegspolitik und sozialer
Unsicherheit
Anwachsende politische
Unzufriedenheit und Proteste sind nur auf dem Hintergrund objektiver
Bedrohungen, von äußeren und inneren Entwicklungen zu verstehen, die signalisieren,
dass die Welt aus den Fugen gerät. Es geht nicht darum, die Menschen
schlechthin zu beruhigen, ihnen ihre Ängste auszureden, sondern darum, den
Charakter dieser Bedrohungen offen zu legen, die Schuldigen zu benennen und
Wege aufzuzeigen, die Ursachen aktiv zu bekämpfen.
Die Demonstrationen finden in
einer Zeit statt, in der „der Westen“ direkt oder mit Hilfe seiner
Gefolgschaftsarmeen an den Peripherien des imperialen Zentrums immer neue
Kriege führt. Der vorgebliche Zweck von PEGIDA, die Islamisierung des
Abendlandes zu verhindern, resultiert aus einer tatsächlichen Bedrohung. Die
medial vermittelten Bilder dieser Kriege sind so unheimlich (von Abu Ghraib bis
zum IS), dass sie Folgen für die eigene Unversehrtheit fürchten lassen – zu Recht.
Hauptursache der anwachsenden Bedrohungsängste ist aber eben nicht der Islam,
sondern die Kriegspolitik von USA und NATO sowie die Rückkehr zum allgemeinen
Banditentum in den internationalen Beziehungen.
Ohne die Kriege im Nahen und
Mittleren Osten, in Afghanistan und im Irak, gäbe es die Toten von „Charlie
Hebdo“ nicht. Das ist eine einfache und in den Medien tunlichst vermiedene
Wahrheit. Die globale Dimension dieses Zusammenhangs hat Papst Franziskus in
seiner Predigt anlässlich des 100. Jahrestages des Ausbruchs des 1. Weltkrieges
am 13. September 2014 in der militärischen Gedenkstätte Redipuglia schärfer ausgesprochen als es
bisher von vielen Linken vernehmbar war: „Auch heute, nach dem
zweiten Scheitern eines weiteren Weltkriegs kann man vielleicht von einem dritten
Krieg reden, der ‚in Abschnitten’ ausgefochten wird, mit Verbrechen, Massakern,
Zerstörungen… Es ist möglich, weil es auch heute hinter den
Kulissen Interessen, geopolitische Pläne, Geldgier und Machthunger gibt, und es
gibt die Waffenindustrie, die anscheinend so wichtig ist!“
Die
westlichen Eliten und ihre Medien lenken die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf
ein Konglomerat von vermeintlichen Gründen, in deren Mittelpunkt der religiöse
Fanatismus (Islamismus) steht. Das Schüren von Islamophobie, die Furcht vor
AusländerInnen, die Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen (Frontex) bettet
sich in diese Verschleierungsstrategie ein und zeigt Wirkung. Die fortgesetzte
Weigerung westlicher Medien und Politiker, den Anschlag von Paris und andere
terroristische Aktivitäten als Antwort auf die eigenen Aggressionskriege zu
benennen, lässt weitere Eskalationen für die Zukunft befürchten. Die
unverkennbare Absicht von Kiew und NATO, den Konflikt mit der Ostukraine
militärisch zu lösen und dabei die Russische Föderation in einen großen Krieg
in Europa zu treiben, wird neue Ängste schüren.
Hinzu kommen die Bedrohungsängste
vor den ökologischen Zerstörungen, vor allem aber vor einer sozial ungewissen Gegenwart
und Zukunft, die weiterhin durch die Agenda 2010 geprägt sein wird. Mit Hartz
IV ist die Bundesrepublik in eine Gesellschaft des Abstiegs, der Prekarisierung
und Polarisierung verwandelt worden. Der soziale Status vieler Menschen ist
real bedroht; soziale Unsicherheit, gesellschaftliche Verrohung und Konkurrenz
in der Arbeitswelt nehmen zu. Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen
Verhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung immer weniger durchschaubar.
Unzufriedenheit geht nach rechts
Angesichts dieser dramatischen
Entwicklung überrascht es nicht, dass das politische System der Bundesrepublik
mit seiner viele Jahrzehnte stabilen Parteienlandschaft seit geraumer Zeit von
einer Glaubwürdigkeits- und Legitimationskrise erfasst wird. Immer mehr
Menschen, oft sogar die Mehrheit, misstrauen grundsätzlich den herrschenden
politischen Eliten, den Leitmedien sowie den etablierten Parteien und nehmen an
den Wahlen nicht mehr teil. Mitgliedsstärke und Bindungskraft der bestehenden
Parteien schwinden dahin. Zu einem wesentlichen Motiv der Stimmabgabe wird die Protestwahl.
Das ist inzwischen eine europaweite Tendenz: unter den 14 Protestparteien, die
bei der Europawahl am 14. Mai 2014 Erfolg hatten, waren nur zwei dezidiert linke
Parteien: Syriza in Griechenland und Podemos in Spanien. In den anderen Ländern
sind zumeist rechtspopulistische, nationalistische und faschistische Parteien
im Aufwind, die die Unzufriedenheit nach rechts kanalisieren. Dazu gehörte auch
die AfD in Deutschland mit 7,0 Prozent aus dem Stand. Das ist ein Alarmsignal
an die gesamte Linke in der EU.
Nach Heribert Prantl ist die
„GroKo das Finale der deutschen Nachkriegsstabilität“. Es existiert faktisch ein neoliberales
„Einparteiensystems“ als „rotierendes Elitenkartell“. An der Einbindung der
LINKEN in dieses Kartell wird „gearbeitet“.
PEGIDA ist neben der Wahl von
rechtspopulistischen Protestparteien eine neuartige Form, wie das enorme
Misstrauen gegenüber diesem Elitenkartell derzeit nach rechts geht. Sie
dokumentiert einen Legitimationsverlust von Herrschaft. Die deutlichste Botschaft
lautet – Ihr lasst uns im Stich. Merkmal von PEGIDA ist die Mobilisierung in Demonstrationen
unter Losungen, die fremdenfeindlich und deutschtümelnd sind, aber auch an
berechtigte Kritik des politischen Systems und der Leitmedien anknüpfen.
Selbst nach der Veröffentlichung
der empirischen Umfrage unter Teilnehmern in Dresden durch ein Team unter
Leitung von Hans Vorländer (Lehrstuhl für Politische Theorie und
Ideengeschichte an der Technischen Universität Dresden) sowie der Untersuchung
des renommierten Protestforschers Dieter Rucht ist es allerdings schwierig,
PEGIDA als rechtspopulistischen Bewegung hinsichtlich ihrer sozialen Zusammensetzung und der
Motivation der Teilnehmer seriös einzuschätzen. Gesichert scheint, dass bei
einer Mehrheit der Protestierenden eine generelle Unzufriedenheit mit der
Politik im Vordergrund steht. Einiges spricht auch dafür, dass die überwiegend
männlichen (!) Teilnehmer „rechtsdrehende Protestneulinge“ (Dieter Rucht) sind.
Die Demonstrierenden sind augenscheinlich mehrheitlich Nichtwähler mit leicht
überdurchschnittlichem Einkommen. Arme, Niedriglöhner und Prekarisierte sind
vermutlich in etwa entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung unter den
Demonstranten vertreten. Angehörige der gewerblichen Mittelklasse sind offenbar
deutlich überrepräsentiert.
In den bisherigen PEGIDA-Analysen
aus linker Sicht gibt es deutliche Unterschiede bei der Motivbewertung der
Demonstrationsteilnahme. Die von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“
gespeiste Islamophobie wird entsprechend der öffentlichen Wahrnehmung oft an
erster Stelle genannt und dann folgt zumeist gleich das generelle Misstrauen
gegen die etablierte Politik und gegen die Medien. Der reale oder drohende
Statusverlust vieler Demonstranten wird als „Wohlstandschauvinismus“ oder als
„irrationale Ängste“ (Gerd Wiegel) charakterisiert.
Aggressionsverschiebung weg von den Herrschenden
Wir teilen die Einschätzungen von
Herbert Schui, der das wirkliche Motiv für die Demonstrationen in der
„Vorstellung einer allgemeinen Bedrohung, nämlich durch Arbeitslosigkeit,
niedrige Renten, Armut allgemein“ sieht und von einer „großen Aggressionsverschiebung“
spricht. Die angebliche Islamisierung ist der Ersatz für den „eigentlichen, den
objektiven Gegner“ – den herrschenden Block. Der appelative Gestus der
Demonstrierenden gilt ja nicht den Flüchtlingen und Fremden, sondern den
deutschen Eliten, dem deutschen Staat, seiner Regierung, seinen Parteien,
seinen Verlautbarungsmitteln und Herrschaftsdiskursen. Das Erkennen der
tatsächlichen Verursacher für diese Entwicklung (die kapitalistische
Produktionsweise, die herrschende Klasse und deren politischer Teil) setzt aber
nicht nur Wissen über die gesellschaftlichen und politischen Zustände, sondern
auch die Bereitschaft voraus, gegen sehr mächtige Gegner in den Kampf zu
ziehen.
Diese Bereitschaft ist im
autoritätsgläubigen Sachsen und speziell in Dresden mit einem Ausländeranteil
von 2,5 Prozent besonders gering ausgeprägt. Zum einen gibt es seit 1990 mit
der durchgängigen CDU-Herrschaft eine stabile rechtslastige, sehr repressive
Hegemoniekonstellation in der Regierung mit den entsprechenden Folgen für das
politische und das geistig-kulturelle Leben im Freistaat. Flankiert wird diese
konservative Vorherrschaft in der berühmt-berüchtigten „sächsischen Demokratie“
durch ein stabiles Wählerpotential rechts von der CDU (etwa 15 Prozent für NPD
und AfD). Die Anfälligkeit signifikanter Teile der Bevölkerung für rechte
Parolen ist somit größer als in anderen Bundesländern.
Das neoliberale Herrschaftssystem
fördert mit allen Mitteln die Orientierung auf ein schwächeres Ersatzobjekt,
das es zu bekämpfen gilt. Dieses Objekt sind bei den PEGIDA-Demonstrationen vorwiegend Flüchtlinge, Asylsuchende und Ausländer sowie
die gegenüber dieser „Gefahr“ angeblich untätigen Politiker. Eine
„antiaufklärerische Aggression (greift) Platz“ (Byung-Chul Han).
PEGIDA-Demonstranten werden objektiv zu „nützlichen Idioten“ (Ingo Schulze):
„Für die regierenden Parteien sind die Pegida-Demonstranten eine bequeme Opposition
– denn die eigentlichen Fragen werden von ihnen gerade nicht gestellt.“
(Süddeutsche Zeitung vom 27. Januar 2015)
Das Gefährliche ist, dass dadurch politisch
zu Recht Unzufriedene, die sich aktiv betätigen wollen, gegen ihre eigenen
Interessen instrumentalisiert werden. Die da oben fühlen sich dann sicher, wenn
sich die Unzufriedenheit nach unten richtet und die Gesellschaft ihr soziales
Korrektiv, die Solidarität, einbüßt.
Aufklärung und Mobilisierung von links
Wer über PEGIDA spricht, muss sich
klar darüber sein, dass in der deutschen Geschichte, konkret in der Weimarer
Republik, es schon einmal eine Situation gab, da der gesellschaftliche und
politische Protest als Massenbewegung von ganz rechts organisiert wurde. Die
damalige Spaltung der Arbeiterbewegung, die Unfähigkeit von SPD und KPD, ein
überzeugendes Projekt einer politischen Alternative von links zu entwickeln,
trug ganz wesentlich dazu bei, dass die kleinbürgerlich denkenden Teile der abhängig Beschäftigten den
Nazis folgten und so zur Manövriermasse der
nazifaschistischen „Machtergreifung“ wurden.
August Thalheimer hat damals in seiner Faschismusanalyse eine auch für
heute gültige Handlungsorientierung des antifaschistischen Kampfes formuliert.
Wolfgang Abendroth fasste in
seinem Interview „Ein Leben in der Arbeiterbewegung“ (Frankfurt a. M. 1976, S.
135) die Überlegungen von Thalheimer zur Strategie des Antifaschismus
dahingehend zusammen, dass angesichts
solcher Massenbewegungen von Teilen der abhängig Arbeitenden, die in
ihrer Verzweiflung dazu neigen, zu den Faschisten überzugehen, alles davon
abhängt, dass „die Arbeiterklasse sich zu einer wirkungsvollen Alternative
gegen die monopolkapitalistische Herrschaft entwickelt.“
Aktuell heißt das: nur eine
überzeugende und tragfähige politische Alternative, die die Macht- und
Systemfrage, die Verteilungs- und die Eigentumsfrage stellt und eine
Massenunterstützung für eine linke politische Alternative zu mobilisieren
vermag, kann rechten und faschistischen
Bewegungen den Boden entziehen.
Der Wahlerfolg von Syriza am 25.
Januar 2015 illustriert die Richtigkeit dieser historischen Erfahrung. Die
linke Partei gewann mehr als ein halbe Million Stimmen hinzu und konnte 36,4
Prozent der Stimmen auf sich vereinigen (2012: 26,9 Prozent). Die faschistische
Partei „Goldene Morgenröte“ verlor ca. 37.000 Stimmen und mehr als 0,6
Prozentpunkte. Der Erfolg und das Konzept der griechischen Linken ist von
allgemeiner Bedeutung für die Strategie gegen nazifaschistische und
rassistische Parteien und Bewegungen. Kern einer erfolgreichen
antifaschistischen Strategie muss eine konsequente Oppositionspolitik sein, die
eine tragfähige politische Alternative zur neoliberalen Politik vertritt und
verständlich über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse aufklärt.
Vieles auch im Kampf gegen
Rechtspopulismus und Faschismus nicht nur in Griechenland wird davon abhängen,
ob eine derartige Alternative dort nun auch praktisch politisch durchgesetzt
werden kann.
In der Bundesrepublik ist es zunächst
eine wichtige Aufgabe der LINKEN, den ansprechbaren Teil der PEGIDA-Bewegung,
deren große Mehrheit die politischen Verhältnisse - wie gezeigt - nur verzerrt
wahrnimmt, mit dem tatsächlichen Gegner zu konfrontieren. Notwendig ist
Aufklärung über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse. Insofern
ist auch die Forderung nach konkreter Auseinandersetzung völlig richtig. Diese
aber ist nur sinnvoll, wenn die LINKEN konsequent die „antiaufklärerische Aggression“ von PEGIDA
zurück weisen und zugleich ihre Vorstellungen von einer politischen und
sozialen Alternative zum herrschenden Politikbetrieb vortragen. Sie haben dabei
zu beachten, dass im politischen Alltagsbewusstsein auch in Ostdeutschland
mittlerweise Vorstellungen deutlich an Einfluss gewonnen haben, die die Schuld
für soziale und politische Fehlentwicklungen bei den Schwächsten und nicht bei
den in dieser Gesellschaft Herrschenden suchen.
Die PEGIDA-Demonstrationen machen
deutlich, dass es weder dem herrschenden Block noch den übrigen Parlamentsparteien
gelungen ist, den durch Kriege und neoliberale Politik prekarisierten oder
verunsicherten Teilen der Bevölkerung ein beruhigendes strategisches Angebot zu
unterbreiten. Bedauerlicherweise kann sich Die LINKE von dieser Feststellung
nicht ausnehmen. Das gilt auch in besonderer Weise für den sächsischen Landesverband,
dessen linkes Oppositionsprofil sich in den letzten Jahren deutlich abschwächte.
Die Rolle der LINKEN kann sich nicht darin erschöpfen, in einer übergreifenden
Parteienallianz der PEGIDA-Gegner aufzugehen.
Selbst wenn PEGIDA demnächst als
Bewegung verschwinden sollte, wächst vermutlich in der nächsten Etappe der
neoliberalen Transformation von Staat und Gesellschaft das Potential für
ähnliche Bewegungen von rechts - solange es der LINKEN nicht gelingt, die
latenten Proteststimmungen als gesellschaftliche Kraft für progressive
politische und gesellschaftliche Veränderungen zu nutzen. Eine Politik, die auf
sozialen Zusammenhalt, auf mehr Gleichheit und Gerechtigkeit sowie soziale Sicherheit
setzt, ist die beste Prävention gegen Ausgrenzung und “gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit“. Im Umkehrschluss verlangt der Kampf gegen Rassismus und
Ausgrenzung eine ausdrückliche politische Polarisierung gegen die Profiteure
der neoliberalen Politik und ihre Handlanger.
Wir sind
der Überzeugung, dass ohne eine politische Offensive der LINKEN gegen den
drohenden Krieg und gegen die neoliberale Politik ein weiteres Anschwellen
reaktionärer Bewegungen zu befürchten ist, egal unter welchem Namen diese
Bewegungen künftig auch auftreten werden. Es
besteht die reale Gefahr, dass die politische Initiative an eine noch
disparate, sich gerade neu ordnende Rechte geht, „weil das die einzige Kraft
ist, die sich von der zwar etablierten, ideell aber stagnierenden
beziehungsweise geistig im Ableben begriffenen Mitte unterscheidet“ (Heino
Bosselmann).
Die Linken insgesamt wie auch DIE
LINKE als Partei müssen sich auf klare politische Botschaften verständigen. Die
Alleinstellungsmerkmale der LINKEN, insbesondere als Antikriegpartei und als
Partei der sozialen Gerechtigkeit, gewinnen an Bedeutung. Es ist dabei
unabdingbar, dass die Partei „klare Kante gegen Rassismus“ (Beschluss
Parteivorstand vom 24. Januar 2015) zeigt, aktive Willkommenskultur praktiziert
und alle Bewegungen für Flüchtlingshilfe und Weltoffenheit vor Ort unterstützt.
Zugleich dürfen wir keine Angst haben, mit Menschen in Kontakt zu treten und
sie anzusprechen, die „bisher keine klar linken und teils widersprüchliche bis
schräge Auffassungen haben“ (Ralf Krämer). Diesen gilt es vor allem zu zeigen,
wo die gesellschaftlichen Ursachen und der eigentliche politische Gegner zu
suchen sind. Dafür benötigen wir neue Formen und Formate der kommunikativen
Ansprache, die unser Anliegen deutlich machen. Im Sinn einer eigenständigen
Profilierung der Partei in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen könnten
unsere Hauptbotschaften sein: Frieden statt NATO!; Nieder mit Krieg und
Kriegspolitik!; Schluss mit dem Terror unserer Kriege!; Schluss mit Hartz IV!;
Arbeit für alle!; Für sozialen Frieden in unseren Städten!; Schluss mit der
Medienpropaganda!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Kommentare sind das Salz in unserer Suppe.