Orientierung

Samstag, 7. Dezember 2013

Stolpersteine - Veranstaltung „Schatten der Vergangenheit“

 Würdiger Abschluss für das Erinnerungsprogramm anlässlich des 75. Jahrestages der Pogromnacht

Seit dem 9. November, dem 75. Jahrestag der Pogromnacht, führten die Initiative Stolpersteine und  die Gemeinde der Evangelisch Lutherischen Kirche Meißen mehrere von den Meißnern gut besuchte Veranstaltungen des Gedenkens und der Mahnung an den Holocaust, der Verbrechen des Nationalsozialismus an jüdische Menschen, durch.

Von links nach rechts- Frau Fichter, Pfarrer Oehler,
Oberbürgermeister Raschke, Frau Biedermann Partnerin
von Herrn de Levie, Herr Dr. de Levie, Landrat Steinbach
Besonders ergreifend war am Freitagmorgen des. 5 Dezembers das Verlegen von Stolpersteinen an Wohnorten, wo zuletzt jüdische Meißner mit ihren Familienangehörigen lebten.  Aus New York angereist hielt Herr Dr. Aris de Levie innerlich bewegt die Andacht vor dem Haus Großenhainer Straße 13. Dort wohnten seine Tante und sein Onkel, die von den Nazi- Schergen nach Ausschwitz verschleppt und dort im Alter von 40 und 32 Jahren ermordet wurden. Frau Fichter von der Bürgerinitiative Stolpersteine berichtete über das Schicksal von Frau Rosa Cohn (Roßplatz 1) und von Frau Maria Moskowitz (Hafenstraße 29).

Am Abend sprach, auf Einladung der Initiative Stolpersteine, Herr de Levie im Haus für Viele(s) zu den Schatten der Vergangenheit. Sie  erhielt in dem Lebensbericht der Familie de Levie , der gemeinsam  mit  Frau Fichter vorgetragen wurde, eine erschütternde Helligkeit und Wahrheit. Frau Fichter hatte auf Eigeninitiative eine aufwendige und akribische Forschungsarbeit zum Schicksal der Familie de Levie geleistet. Der Lebensbericht belegte erneut, dass mit Beginn von nazistischen Ausschreitungen und der späteren Machtübernahme des Nationalsozialismus  auch die jüdischen Meißner in Angst und Schrecken lebten. Das friedliche Leben und das Glücklichsein waren nur schwach in Erinnerung und der Hoffnung, dass nichts Böses mit ihnen geschähe. Unvorstellbare Ausweglosigkeit und Verzweiflung begleiteten sie als man sie verschleppte, als man die lieben Eltern, Großeltern voneinander trennte und ihnen ihre lieben Kinder entriss. Ihr Schicksal endete damit, dass Nazi Verbrecher sie ermordeten, mit unserem heutigen menschlichen Verstand nicht fassbar und doch auch noch heute möglich.
Frau Schäfer, die Patin des Stolpersteins
für Rosa Cohn, hält Andacht am Roßplatz 1.
Frau Schäfer ist die Patin für den Stolperstein Rosa Cohn. (Roßplatz 1)
              

Der Nationalsozialismus versprühte das Gift der hochgradigen nationalistischen Deutschtümelei, des Antisemitismus, des Rassenhass und ließ mit dieser ideologischen Vergiftung Menschen töten oder trieb diese durch psychische und physische Folter in den Tod. Damit beförderten sie gleichzeitig die Zerstörung der menschlichen Würde, die Duldung und das Wegschauen, aber auch die Angst etwas dagegen zu tun. Über all das wurde gesprochen oder es ging einem beim Zuhören begleitend mit durch den Kopf.

 Beeindruckend und ergreifend waren die Formulierungen der gedenkenden und mahnenden Worte von Herrn de Levie. Sie hatten eine Ausstrahlung von  Güte und Wärme aber auch Vertrauen und Gewissheit, dass er heute in einem anderen Deutschland weilt. Ein besonders herzliches Dankeschön richtete er an die Studentin der Betriebswirtschaft, Frau Fichter, die mit ihm Kontakt aufnahm, um das Schicksal seiner Familie zum Gedenken und zur Mahnung zu erforschen. Diese Schicksale sind aufgehellt aus dem Schatten der Vergangenheit, ein Anspruch an uns, sich allen Anfängen zu wehren und zu widersetzen, wenn mit welchen Spielarten auch immer, nationalsozialistisches Gedankengut verstreut wird.

Andreas Graff
Mitglied der Bürgerinitiative Stolpersteine

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