Orientierung

Samstag, 22. September 2012

Demokratie und Bürokratie - Brüderchen und Schwesterchen?

Aus dem Bildungs- und Sozialausschuss
berichtet Kreisrat G. Dietmar Rode



Die Situation in der Bildungslandschaft Sachsens macht sehr besorgt, glaubt man den Berichterstattungen der Presse. Will ich mir ein objektives Bild machen, frage ich möglichst viele Beteiligte (Schuldirektoren, Lehrer, Eltern, Schüler) oder die Verwaltung. Ersteres ist mühevoll und zeitaufwändig. Letzteres scheint mir als ehrenamtlicher Kreisrat deshalb der bessere, effektivere Weg zu sein. Und so habe ich mir auch Hoffnung auf die erste Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses nach Beginn des neuen Schuljahres gemacht.
Leider wurde ich enttäuscht. 

Meine schriftliche Anfrage an das Kreisschul- und Kulturamt (KSKA)  lautete:
- Wie ist die derzeitige Lehrerbesetzung in den Schulen/Schularten im Landkreis? Welche Veränderungen hat es gegenüber dem vergangenen Schuljahr gegeben?
- Wie ist es aus Ihrer Sicht um Stundenausfälle bestellt? Treffen die Kritiken des Landesschülerrates auch auf unseren Landkreis zu?
- Wo sehen Sie weitere aktuelle Probleme der personellen, organisatorischen und technischen Sicherstellung eines qualitätsgerechten Unterrichtes in den Schulen des Landkreises?

Als Antwort darauf kam, kurz und präzise, dass „das Büro des LR [Landrat] die Beantwortung  vornehmen wird.  Die notwendige Zuarbeit dazu  wurde aus dem KSKA bereits geleistet.“  Das stimmte mich zunächst zufrieden.

In der Sitzung stellte ich dann die Anfrage noch einmal. Landrat Steinbach, korrekt und höflich wie immer, machte mich darauf aufmerksam, dass derartige Auskünfte nicht in der Kompetenz seiner Verwaltung lägen. Da müsse ich mich doch bitte am besten an Frau Kurth, an die Bildungsagentur oder an meine Fraktion im Sächsischen Landtag wenden. Auch meine nachgestellte Frage, ob seine Amtsleiterin trotz einer derartigen Geheimkabinettspraxis vielleicht doch einige Auskünfte geben könne, wurden verneint. Und von der Zuarbeit an das Büro des LR, die "aus dem KSKA bereits geleistet" wurde, war auch keine Rede mehr. Sonderbar...

Aha – so funktioniert also Demokratie.

1 Kommentar:

  1. Dafür informiert die Presse. In der SZ von gestern (Montag, 24.09.12, Ausgabe Riesa) stand,

    dass es Alarmsignale aus den Schulen gibt. Selbst die Schüler klagen über Stundenausfälle, und das will wohl etwas heißen. Aber auch die Stimmung unter den Elternvertretern wird als "explosiv" bezeichnet. So beruft sich die SZ z.B. auf schlechte Nachrichten aus Radebeul "über unhaltbare Bedingungen an der Grundschule Oberlößnitz". Es wird auch darauf hingewiesen, dass sich der Lehrermangel kreisweit immer weiter verschärfen würde.

    Ich stimme Peter Anderson voll und ganz zu, der schrieb: "Diese Alarmsignale aus den Schulen sind kein billiger Aktionismus. Sie zeigen, dass mit Sachsens Bildungssystem grundlegend etwas im Argen liegt. Zu lange hat sich die Staatsregierung auf ersten Plätzen bei Pisa-Studien ausgeruht. Die Erste allerdings können schnell die Letzten sein."

    Ein Fabulieren über die Zuständigkeit des Landkreises bringt nichts. Wir brauchen Veränderungen.

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